PRICE PERSPECTIVE - IN DEPTH

Zehn Jahre nach der weltweiten Finanzkrise: Wohin geht die Reise?

T. Rowe Price

Kurzfassung

  • Die Zentralbanken verdienen Lob für die Umsetzung der Kaufprogramme im Zusammenhang mit der quantitativen Lockerung (QE), die wohl die Weltwirtschaft gerettet haben. Nun jedoch, wo diese Programme auslaufen, stehen sie einer unsicheren Zukunft gegenüber.

  • Neue Regulierungen haben vielleicht die risikoreicheren Tätigkeiten der Investment-Banken eingeschränkt, aber könnten sie auch die Wirtschaftsaktivität dämpfen und zukünftige Krisen durch eine Begrenzung der verfügaren Liquidität noch zusätzlich verstärken?

  • Die Finanzmärkte haben in den vergangenen Jahren eine erfreuliche Wertentwicklung erlebt, aber das Ende der QE-Programme könnte eine Rückkehr der Weltwirtschaft zu Volatilität, Inflation und politischer Instabilität in einem Umfeld wachsender Ungleichheit bedeuten.

  • Vor diesem Hintergrund kann für Anleger eine Neuausrichtung ihrer Strategien notwendig werden, da ein komplizierteres Marktumfeld mit mehr idiosynkratischen Anlagechancen einhergeht.
     

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, dass der Verkauf der angeschlagenen Investment-Bank Bear Stearns an JP Morgan Chase ein klares Anzeichen dafür lieferte, dass sich aus dem Zusammenbruch des US-amerikanischen Subprime-Hypothekenmarktes eine viel umfassendere Finanzkrise entwickeln würde. Nun -– ein Jahrzehnt später – laufen die Kaufprogramme und somit die riesigen Geldsummen aus, mit denen die Weltwirtschaft in und nach der Krise stimuliert und über Wasser gehalten wurde. Und während die Zentralbanken noch mitten in dem langen Abwicklungsprozess der QE-Programme stecken, stellt sich die Frage: Wie sieht die Anlagelandschaft aus, die sich Anlegern nun bietet?
 

Wir haben sechs leitende Anlageexperten von T. Rowe Price gebeten, uns zu sagen, wie sie die Hinterlassenschaft der weltweiten Finanzkrise einschätzen und welchen Einfluss diese auch in den nächsten Jahren auf die Märkte haben dürfte. Unsere Fragen bezogen sich vor allem auf vier Kernthemen: 1) Die Rolle der Zentralbanken, 2) die Auswirkungen der Regulierungsmaßnahmen, 3) die Zukunftsperspektiven der Weltwirtschaft und 4) die Veränderungen im Anlegerverhalten. Ihre Antworten lassen erkennen, dass uns in der Zukunft einige Herausforderungen bevorstehen, da sich die Marktteilnehmer an das Post-QE-Umfeld anpassen, das durch eine nachlassende Liquidität, strengere Regulierung, steigende Zinsen und eine höhere Volatilität gekennzeichnet ist. Nichtsdestotrotz dürfte dieses Umfeld auch attraktive Anlagechancen für diejenigen bieten, die über die nötige Kenntnis und Beweglichkeit verfügen, um sie zu nutzen.

EIN GUTES ZEUGNIS FÜR DIE ZENTRALBANKEN, DEREN ROLLE ZUKÜNFTIG JEDOCH UNGEWISS IST

Wenn man die Schwere der weltweiten Finanzkrise berücksichtigt, war die nachfolgende Erholung an den Finanzmärkten beachtlich. 2008 befand sich das Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch. Seitdem schossen die Aktienmärkte in die Höhe, die Anleiherenditen fielen, Immobilien- und Rohstoffpreise zogen an und die erwartete Volatilität blieb – abgesehen von gelegentlichen Ausschlägen – weitgehend gedämpft.
 

Bei dieser Erholung spielte die quantitative Lockerung eine zentrale Rolle. Die Zentralbanken tätigten Anleihekäufe in bisher nie dagewesener Höhe und hielten die Zinssätze niedrig, sorgten für Liquidität im Überfluss und drückten die Volatilität, womit sie sehr wahrscheinlich verhinderten, dass die Finanzkrise zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führte. „Die Geschichte wird den Zentralbanken meiner Ansicht nach ein sehr gutes Zeugnis ausstellen,“ sagt Arif Husain, Leiter International Fixed Income. „Die quantitative Lockerung brachte auch Nachteile mit sich – die Sparer jubelten zum Beispiel nicht gerade über die negativen Zinssätze – und man könnte beanstanden, dass die Zentralbanken ihre Anreize zu langsam zurückgefahren haben. Insgesamt muss man aber sagen, dass sie so gehandelt haben, wie es erforderlich war, und das hat sehr gut funktioniert.”

Da die Zentralbanken jedoch mit der quantitativen Lockerung nun so freigiebig umgegangen sind, haben sie dies als Option für die absehbare Zukunft ausgereizt, wie Husain meint. „Als die Lockerungsmaßnahmen zum ersten Mal umgesetzt wurden, gab es einen „Wow-Faktor“ – und die Märkte reagierten dementsprechend,“ sagt er. „Wenn jedoch dieses Überraschungsmoment nicht mehr existiert, könnten geldpolitische Anreize einen geringeren Effekt haben. Das bedeutet, dass die Zentralbanken vielleicht neue Methoden finden müssen, damit sie überhaupt einen Einfluss haben.
 

Auch politisch gesehen dürfte es für die Zentralbanken schwierig werden, zukünftig auch weiterhin geldpolitische Impulse zu setzen. Ein Grund sind schlicht und ergreifend die Kosten: Die quantitative Lockerung hat bei den Zentralbanken zu enormen Bilanzsummen geführt, die langfristig schwer zu rechtfertigen sind. Ein weiterer Grund ist: Die QE-Programme haben zwar die Kurse der Vermögenswerte in die Höhe getrieben, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen sind jedoch weniger klar erkennbar. In dem Jahrzehnt nach der Finanzkrise konnte man in den meisten Teilen der Welt eine Wachstumsschwäche beobachten, die Ungleichheit nahm zu, allgemeine Einkommenszuwächse waren kaum zu finden, und die Zentralbanken verfehlten immer wieder ihre Inflationsziele. Mittlerweile lassen die Wachstumszahlen einen synchroneren Verlauf des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs erkennen, aber es bestehen weiterhin Zweifel daran, ob die expansive Geldpolitik auch den Volkswirtschaften und nicht nur den Finanzmärkten zugute gekommen ist, was bedeutet, dass weitere Lockerungsmaßnahmen zukünftig von der Öffentlichkeit abgelehnt werden könnten.
 

„Viele Kongressabgeordnete sahen es nicht gerne, dass die Fed für 4 Billionen US-Dollar Staatspapiere aufgekauft hat, und viele Leute in Europa sind derselben Ansicht, wenn es um das Anleihekaufprogramm der EZB geht,“ sagt Alan Levenson, Chefökonom für die USA. „Daher könnten weitere Lockerungsmaßnahmen auf einen erheblichen politischen Widerstand stoßen.“
 

Die Reaktion auf die expansive Geldpolitik wirft die wichtige Frage nach der zukünftigen Rolle der Zentralbanken auf: Sollten sie in derselben Gestalt wie nach der Krise weiterbestehen, d.h. als mächtige, weitgehend unabhängige Institutionen mit umfassenden Befugnissen zur Rettung der Volkswirtschaften, wenn die Finanzpolitik sich als unzureichend erweist, oder sollten sie zu ihrer traditionellen Rolle zurückfinden und sich nur mit der Steuerung von Zinsen und Inflation befassen? Im ersten Fall wäre es wohl erforderlich, die Rolle der Zentralbanken und ihre Beziehung zu den Regierungen neu zu definieren, um ihre Transparenz und Verantwortlichkeit zu verbessern. Im zweiten Fall müssten die Zentralbanken deutlich machen, dass ihre Hauptaufgabe wieder in der Steuerung der Inflation besteht.
 

Werden außergewöhnliche QE-Maßnahmen bei Eintritt des nächsten Abschwungs oder der nächsten Krise entweder als unwirksam oder politisch zu schwer durchsetzbar betrachtet, könnte es sein, dass die Handlungsinstrumente der Zentralbanken begrenzt sein. Dies gilt insbesondere für Zinssenkungen, das klassische Instrument der Zentralbanken zur Ankurbelung der Nachfrage, da die Zinsen im historischen Vergleich immer noch sehr niedrig sind und Senkungen demzufolge für einige Zeit keine Option sein werden. „Die Krise liegt nun lange hinter uns und die Zentralbanken haben alle Möglichkeiten zur Stimulierung der Wirtschaft ausgeschöpft,“ sagt Levenson. „Es liegt also auf der Hand, dass sie den Höhepunkt ihres Einflusses nunmehr überschritten haben.“ Mit anderen Worten könnte der Handlungsspielraum der Zentralbanken beim nächsten Konjunktureinbruch begrenzt sein, es sein denn, es droht ein extrem starker Rückgang der Vermögenswertpreise.

 

 

ABBILDUNG 1: MSCI World Index, 2007–2018

Stand: 15. März 2018. Zahlen in USD

 

 


Quelle: MSCI World.

MSCI übernimmt keine ausdrücklichen oder impliziten Garantien oder Zusicherungen und haftet in keiner Weise für in diesem Dokument enthaltenen Daten von MSCI. Die Daten von MSCI dürfen nicht weitergegeben oder als Grundlage für andere Indizes oder Wertpapiere bzw. Finanzprodukte verwendet werden. Dieser Bericht wurde nicht von MSCI genehmigt, überprüft oder erstellt.

 

 

 

ABBILDUNG 2: Erwartete Volatilität, 2007-2018

Stand: 28. Februar 2018.

 

Die implizite Volatilität bei Aktien wird durch den VIX-Index dargestellt; die implizite Volatilität bei Anleihen wird durch den MOVE-Index ausgedrückt.

Quellen: Chicago Board Options Exchange und Bank of America Merrill Lynch; Datenanalyse von T. Rowe Price.

 

 

IST DAS FINANZSYSTEM DURCH DIE REGULIERUNG WIDERSTANDSFÄHIGER GEWORDEN?

In der Zeit nach der Krise wurde nicht nur die Rolle der Zentralbanken neu definiert, sondern auch der Betrieb der Geschäftsbanken änderte sich grundlegend. Aufgrund wichtiger Gesetze wie des Dodd-Frank-Act in den USA und der Infrastruktur-Bestimmungen für den europäischen Markt in der EU wurde in den vergangen Jahren eine ganze Reihe von regulatorischen Maßnahmen eingeführt, die die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems verbessern sollen. Das International Financial Stability Board hat diese Maßnahmen in vier Kernthemen unterteilt. In dem Jahresbericht 2017 zur Regulierungsreform in den G-20-Ländern 1 steht, dass in allen Ländern Fortschritte erzielt wurden. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass diese Fortschritte „ungleich verteilt“ sind und noch weiterer Handlungsbedarf besteht (siehe “Progress on Regulatory Reform”).
 

Rob Sharps, Leiter Investments, sagt, dass viele Neuregelungen, die seit der Krise eingeführt wurden, hart aber effizient waren. „Regulierung ist ein stumpfes Instrument, aber die weltweite Finanzkrise war so extrem, dass sie nach einer ebenso extremen regulatorischen Antwort verlangte,“ fügt er hinzu. Sharps führt zum Beispiel Maßnahmen an, die den Einsatz von Fremdkapital durch Finanzinstitute einschränken. „Banken müssen nun ein höheres, qualitativ besseres und liquideres Eigenkapital als vorher bereithalten, und das wird sich restriktiv auf ihre Tätigkeit auswirken. Durch die Neuregelungen wird das System meiner Ansicht nach insgesamt besser aufgestellt sein, um im Fall einer zukünftigen Krise Ansteckungseffekte zu vermeiden.“

 

ABBILDUNG 3: Bilanzen der Zentralbanken

Stand: Dezember 2017.

 

Quellen: EZB, Bank of Japan, Federal Reserve, Schweizerische Nationalbank, Bank of England, Haver Analytics und U.S. Treasury Department.

 

 

Andere Maßnahmen wie die Trennung von Investment-Banking und Retail-Banking und die Einführung strengerer Kriterien bei der Kreditgewährung dürften ebenfalls einen Effekt haben. Diese Initiativen vermindern zwar die Risiken, die Finanzinstitute eingehen dürfen, könnten jedoch auch eine geringere Wirtschaftsaktivität zur Folge haben, indem sie Privatpersonen und Unternehmen entgegen deren Bedarf die Aufnahme von Krediten verweigern.
 

Bisher führte dies zu keinen größeren Schwierigkeiten, da die Auswirkungen der neuen Regeln auf die Wirtschaft weitgehend von der Liquidität der Zentralbank im Systemausgeglichen wurde. Gabe Solomon, Portfoliomanager der Finanzdienstleistungsstrategie von T. Rowe Price, ist der Meinung, dass die strengere Regulierung seit der Finanzkrise eventuell sogar zur Verlängerung der Hausse nach der Krise beigetragen hat. „Meines Erachtens haben die Finanzierungsbeschränkungen für Privatpersonen und Unternehmen zu einer längeren Dauer des 2008 begonnenen Konjunkturzyklus geführt,“ sagt Solomon. „Kleine Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme. Das beschränkt das Risiko, das sie eingehen können. Ohne diesen Effekt hätten wir in den vergangenen Jahren wahrscheinlich eine sehr viel dramatischere – aber vielleicht kürzere – Entwicklung erlebt.
 

Für die Zukunft ist jedoch von einem deutlicheren Rückgang der Bankentätigkeiten auszugehen. Da die Investitionsbanken nicht mehr in der Lage sind, in demselben Maße wie in der Vergangenheit Marktliquidität bereitzustellen und die Zentralbanken potenziell an einer wesentlichen Ausweitung von QE gehindert sind, werden andere Marktteilnehmer die Finanzierungslücke füllen müssen. Wenn das nicht geschieht, könnte der sich so ergebende Liquiditätsmangel eine zukünftige Krise verschlimmern und die Anstrengungen zur Rettung des Systems durch Einschränkung der Bankenaktivität unterminieren. „In der Vergangenheit konnten Banken immer dort Kapital einzusetzen, wo Vermögenswerte ihrer Einschätzung nach unterbewertet waren, und deshalb konnten sie sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit Gewinn am Markt verkaufen,“ sagt Quentin Fitzsimmons, ein leitender Portfoliomanager der Fixed-Income-Abteilung. „Dadurch entstand eine Menge Liquidität. In Zukunft wird dieser Puffer jedoch erheblich schwächer ausfallen.“
 

Wichtig ist auch, dass die in den vergangenen Jahren eingeführten Regelungen eine Wiederholung der letzten Krise vielleicht verhindern, sie schützen allerdings nur begrenzt vor einer zukünftigen Krise, wenn diese andere Ursachen hat – was nahezu mit Sicherheit der Fall sein wird. „Die nächste schwerwiegende Finanzkrise wird wahrscheinlich eine Ursache haben, über die sich die meisten Leute derzeit keine Sorgen machen,“ gibt Solomon zu bedenken. „Wie immer werden Asset-Blasen entstehen. Das ist unvermeidlich und liegt ganz einfach in der zyklischen Natur der Finanzmärkte.“
 

Welche Lehre ist daraus zu ziehen? Regulierung ersetzt keinesfalls Wachsamkeit und Risikobewusstsein seitens der Institutionen und Investoren.

DIE SICH ERHOLENDE WELTWIRTSCHAFT STEHT INFLATION, VOLATILITÄT UND UNGLEICHHEIT GEGENÜBER

Die seit der Finanzkrise in finanzieller und regulatorischer Hinsicht eingeführten Veränderungen erschweren die Vorgabe eines klaren Kurses für die Weltwirtschaft in den nächsten Jahren. Die quantitative Lockerung war etwas völlig Neues, und der Anpassungsprozess an die Abwicklung dieser Programme könnte ebenfalls etwas noch nie Dagewesenes bedeuten. Nach aktuellem Stand bewegen sich die Renditen weiterhin nahezu auf historischen Tiefstständen, die Aktienmärkte bleiben robust, die Arbeitslosigkeit geht in vielen Ländern zurück und das Weltwirtschaftswachstum verbessert sich. Parallel dazu besteht jedoch die Sorge, dass viele Vermögenswerte überbewertet sind, der Verschuldungsgrad der Unternehmen zu hoch ist und die Inflation – gefolgt von Zinsanhebungen – schon in den Startlöchern lauert.
 

Insbesondere die Furcht vor einer schnell steigenden Inflation bereitet Anlegern Sorgen. „Das größte Risiko für die Märkte – abgesehen von einem starken geopolitischen Schock – besteht darin, dass die Zentralbanken plötzlich aufwachen und erkennen, dass ihre Geldpolitik der Inflationsrate hinterhinkt. Dann geschehen die Zinssprünge in zu schneller Reihenfolge,“ sagt Chris Alderson, Co-Head Global Equity. „Wenn aggressive Zinsanhebungen zusammen mit dem Auslaufen der Lockerungsprogramme erfolgen, könnten die Zinsen schneller steigen als erwartet, was die Anleihemärkte und im Endeffekt auch die Aktienmärkte unter Druck setzen könnte. Das ist es, was meiner Ansicht nach im Moment für Nervosität sorgt.“
 

Zwar könnte es zu plötzlichen inflationären Episoden kommen, aber langfristig sind sie nicht so bedrohlich, meint Sharps. „Auf lange Sicht bin ich nicht wirklich beunruhigt über die Inflation, denn ich halte die gegenläufigen Faktoren für einflussreich und dauerhaft,“ lautet sein Kommentar. „Die hohe Verschuldung der Industrieländer dürfte das Wachstum nicht ausufern lassen und disruptive Technologien sowie der demografische Wandel dürften ebenfalls dafür sorgen, dass die Inflation nicht außer Kontrolle gerät.“
 

Eine weitere aufkeimende Sorge ist die wachsende Ungleichheit in vielen Industrieländern, die aufgrund der Marktdynamik und des technologischen Wandels entstanden ist. Dadurch könnten politische Kursänderungen eintreten, die das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen, die nur gering oder gar nicht an den Aktienmärkten engagiert sind,nicht von den Kursgewinnen an den Märkten profitiert haben. Zudem stagnierten Gehälter und Löhne eine Zeitlang hartnäckig. „Die quantitative Lockerung war eine großartige Sache für diejenigen, die bereits Aktien, Anleihen oder Immobilien besaßen, aber viele andere mussten in den vergangenen Jahren stagnierende Löhne und Gehälter hinnehmen,“ sagt Alderson. „Meiner Ansicht nach war dies ein ausschlaggebender Faktor für die Wahl von Donald Trump, den Brexit und die hohen Stimmenanteile, die bestimmte konservative Parteien in Europa erzielt haben.“
 

Die politische Stimmung ist umgeschlagen und hat in der Tat das Potenzial für Handelsbeschränkungen gestärkt, die sich negativ auf ganze Branchen sowie deren Arbeitnehmer auswirken könnten, sowie für eine zusätzliche Ankurbelung der Wirtschaft, was zu einer Überhitzung führen könnte. „Einige dieser politischen Entwicklungen, die wir erlebt haben, wie etwa die Zunahme protektionistischer Ausrichtungen in der Politik, können auf die Zeit der abnormalen Geldpolitik zurückverfolgt werden,“ fügt Alderson hinzu. „Diese Reaktionen sind meiner Ansicht nach nicht so schlimm wie eine Deflation und gewiss nicht so schlimm wie eine Depression, die wir ohne die QE-Programme bekommen hätten. Dennoch stellen sie ein Problem dar. Meines Erachtens wird es für die Regierungen unvermeidlich sein, Möglichkeiten zur Verminderung der Ungleichheit zu erwägen, wie etwa neue Vermögenssteuern.“
 

AKTIVERES VORGEHEN DER ANLEGER ERFORDERLICH

Die kommende Zeit könnte Herausforderungen für Investoren mit sich bringen. Die Zentralbanken stehen vor der schwierigen Aufgabe, sich von der abnormalen Geldpolitik zu verabschieden, die sie in der Folge der weltweiten Finanzkrise eingeführt haben. Gleichzeitig müssen sie die Inflation so unter Kontrolle halten, dass sie den Wirtschaftsaufschwung nicht bedroht. Die neuen Beschränkungen für Geschäftsbanken könnten zu einer geringeren Liquidität im System führen, was in der Zukunft potenziell extreme Marktbewegungen verursachen könnte. Populistische Kräfte bedrohen in einigen Ländern den Status quo. Und die Anleger versuchen, all dem Rechnung zu tragen, ohne sich dabei auf einen klaren Präzedenzfall beziehen zu können.
 

Bisher haben diese Besorgnisse keine allzu störenden Folgen gehabt. Das vergangene Jahr zum Beispiel war durch eine bemerkenswerte Zuversicht an den Märkten gekennzeichnet – unvorhersehbare Ereignisse wurden hingenommen, ohne dass es zu anhaltenden Turbolenzen gekommen wäre. Die erhöhte Volatilität im Februar dieses Jahres erwies sich als ähnlich vorübergehend. Diese Situation wird sich unseres Erachtens nicht ewig fortsetzen und Anleger sollten sich über den potenziellen Einfluss zukünftiger Volatilitätsanstiege auf ihre Portfolios im Klaren sein. Arif Husain ist der Auffassung, dass vor allem ein kurzfristiges Denken ein Risiko darstellt: „Eine der wichtigsten langfristigen Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise war die Tatsache, dass sich die Zeithorizonte der Anleger geändert haben,“ sagt er. „Selbst von den traditionellen langfristigen Anlegern haben sich viele – bewusst oder unbewusst – für einen kurzfristigeren Ansatz entschieden.“ Dies kann die kurzfristige Volatilität extrem erhöhen, wenn viele Anleger auf einmal versuchen, aus massenhaft gehandelten Positionen, sogenannten „Crowded Trades“, auszusteigen. Dies ist Arif Husain zufolge ein Faktor, der zum Teil für den Volatilitätsanstieg im Februar verantwortlich sein könnte.
 

Gabe Solomon ist der Ansicht, dass Investoren, die sich effizient an die Welt nach der quantitativen Lockerung anpassen wollen, langfristig denken müssen. „Egal ob Sie in Fonds oder einzelne Aktien oder Anleihen investieren, Sie müssen das, was Sie kaufen, wirklich auf seine langfristige Attraktivität prüfen,“ sagt er. „Nach der Verhaltenspsychologie gilt, dass Modeerscheinungen in den risikoreichsten Momenten eine Menge Leute anziehen. Daher zahlt sich schlaues Querdenken aus, und eine gründliche Prüfung der langfristigen Beständigkeit Ihrer potenziellen Wertpapierkäufe ist von Vorteil.“
 

Korrelationen sind ebenfalls wichtig. Die extrem niedrigen Renditen seit der Finanzkrise haben dazu geführt, dass sich viele Anleger den hochverzinslichen Anleihen verschrieben haben, um mit ihrer Rentenposition nennenswerte Renditen zu erzielen. Die Korrelation zwischen Unternehmensanleihen und Aktien ist jedoch tendenziell hoch, d.h. Investoren mit einer umfangreichen Gewichtung in hochverzinslichen Unternehmensanleihen erleiden bei Kurseinbrüchen schwere Verluste in beiden Teilen ihres Portfolios. Da hohe Zinsen tendenziell zu Volatilität führen, ist die Aussicht auf Zinserhöhungen durch die Zentralbanken in den nächsten Jahren für diejenigen Investoren ein Grund zur Sorge, deren Portfolios nicht ausreichend diversifiziert sind.
 

Für viele Anleger wird die Vorbereitung auf die nächste Erholungsphase der Weltwirtschaft eine Revision ihres Engagements in passiven und aktiven Anlagevehikeln erforderlich machen. Zwar haben passive Strategien seit Beginn des Hausse-Marktes, der etwa ein Jahr nach der Finanzkrise einsetzte, eine gute Performance erzielt, aber es könnte schwierig werden, damit in Zukunft vergleichbare Renditen zu generieren, wenn es aufgrund der auslaufenden Lockerungsprogramme wieder zu einem Anstieg der Inflation, zu Zinssprüngen und Volatilität kommt. „Passives Investieren ist anfällig für Massenspekulation („Crowded Trade“) und kann zu starker Konzentration der Positionen führen,“ sagt Sharps. „Wenn ein bestimmter Sektor oder ein bestimmtes Land den Index dominiert, ist man nicht mehr diversifiziert, und wenn der Markt dann einbricht, zieht er einen mit in den Abgrund.“
 

Sharps ist der Ansicht, dass Investoren, die von solchen Anlagechancen profitieren wollen, die sich in den nächsten Jahren ergeben dürften, darüber nachdenken sollten, ihr Engagement in aktiv gemanagten Strategien zu erhöhen. „Seit dem vergangenen Jahr oder etwas länger ist die Risikobereitschaft vieler Anleger gestiegen,“ so Sharps, „aber ein selektives und agiles Vorgehen wird von entscheidender Bedeutung sein, wenn man zukünftige Chancen nutzen will.“

1Umsetzung und Auswirkungen der Finanz-Regulierungsreform in den G-20 Ländern, 3. Jahresbericht, Juli 2017.

 

201804-463082

 

Wichtige Informationen

Das vorliegende Dokument dient nur zu allgemeinen Informationszwecken. Es ist in keiner Weise als (Anlage-) Beratung zu verstehen (auch nicht in treuhänderischem Sinne), und potenziellen Anlegern wird empfohlen, vor einer Anlageentscheidung unabhängigen rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Rat einzuholen. Die T. Rowe Price-Unternehmensgruppe, zu der auch T. Rowe Price Associates, Inc. und/oder deren verbundene Gesellschaften gehören, erzielen Einnahmen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen von T. Rowe Price. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Der Wert einer Anlage sowie die mit dieser erzielten Erträge können sowohl steigen als auch sinken. Es ist möglich, dass Anleger weniger zurückbekommen als den eingesetzten Betrag.

Das vorliegende Dokument stellt weder ein Angebot noch eine persönliche oder allgemeine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren in irgendeinem Land oder Hoheitsgebiet beziehungsweise zur Durchführung bestimmter Anlageaktivitäten dar. Das Dokument wurde von keiner Aufsichtsbehörde irgendeines Landes oder Hoheitsgebiets geprüft.

Die hierin geäußerten Informationen und Ansichten wurden aus oder anhand von Quellen gewonnen, die wir als zuverlässig und aktuell erachten; allerdings können wir die Richtigkeit oder Vollständigkeit nicht garantieren. Wir übernehmen keine Gewähr dafür, dass sich Vorhersagen, die möglicherweise getätigt werden, bewahrheiten werden. Die hierin enthaltenen Einschätzungen beziehen sich auf den jeweils angegebenen Zeitpunkt und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern; diese Einschätzungen unterscheiden sich möglicherweise von denen anderer Gesellschaften und/oder Mitarbeiter der T. Rowe Price-Unternehmensgruppe. Unter keinen Umständen dürfen das vorliegende Dokument oder Teile davon ohne Zustimmung von T. Rowe Price vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.

Das Dokument ist nicht zum Gebrauch durch Personen in Ländern oder Hoheitsgebieten bestimmt, in denen seine Verbreitung untersagt ist oder Beschränkungen unterliegt. In bestimmten Ländern wird es nur auf spezielle Anforderung zur Verfügung gestellt.

Das Dokument ist nicht für Privatanleger bestimmt, unabhängig davon, in welchem Land oder Hoheitsgebiet diese ihren Wohnsitz haben.