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Japanische Aktien nach langer Stagnation vor Comeback?

Archibald Ciganer , Portfolio Manager

Ende 2017 war Japans Wirtschaft bereits seit zwei Jahren in Folge auf Wachstumskurs – die längste Phase dieser Art seit den 1980er Jahren. Als Spiegelbild dieser wirtschaftlichen Stärke kletterte der Nikkei im Januar dieses Jahres auf den höchsten Stand seit 1991. Archibald Ciganer erläutert, was Japans Wirtschaft und japanische Aktien antreibt und was seiner Ansicht nach als nächstes geschehen könnte.

 

Frage: Was sind die Gründe für dieses offenkundige Comeback des japanischen Aktienmarkts?

Antwort: Der erste Grund sind die Abenomics – die fiskal- und geldpolitischen sowie Strukturreformen, die von Premierminister Shinzo Abe eingeleitet wurden. Der zweite Grund ist die lange Erholung in den USA nach der weltweiten Finanzkrise – denn die japanische Exportwirtschaft ist stark vom US-Konsum abhängig.

 

Abbildung 1: Weltweites Wachstum der Unternehmensgewinne, nach Regionen*

Indexiert auf 100, Oktober 2007 bis März 2018

 

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung.  

*Unternehmensgewinne in US-Dollar, nach Regionen, auf Basis der Unternehmen im S&P 500 Index sowie in den Indizes MSCI Emerging Markets, MSCI Europe ex UK,
MSCI Japan und MSCI United Kingdom.

Quelle: FactSet.

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FactSet—Copyright © 2018 FactSet Research Systems Inc. Alle Rechte vorbehalten.

 

Die expansive Geldpolitik der Bank of Japan hat zur deutlichen Schwächung des japanischen Yen beigetragen. Japanische Exporte in die USA wurden dadurch billiger und chinesische Importe nach Japan teurer. So wurde Inflation nach Japan importiert, nachdem das Land jahrelang unter der Deflation gelitten hatte. Dies veränderte die Erwartungen und das Verhalten der japanischen Verbraucher und Unternehmen.

 

F: Wie geht es den japanischen Unternehmen und Märkten?

A: Die Qualität der Unternehmen in Japan war bis vor Kurzem nicht so gut wie in anderen Industrieländern. Doch nun holen sie auf, erzielen allmählich bessere Erträge und behandeln ihre Aktionäre besser. Der neue Corporate-Governance-Kodex im Rahmen der „Abenomics“ legt strengere Standards fest und schreibt mehr Transparenz sowie eine bessere Behandlung von Minderheitsaktionären vor.

 

Eine andere neue Vorschrift, der Stewardship-Kodex, verpflichtet Investoren wie Pensionsfonds und Vermögensverwalter nachzuweisen, wie sie Anleger schützen und auf Unternehmen einwirken, um ihre Interessen in Einklang zu bringen. Früher waren japanische Versicherungsgesellschaften zwar Großaktionäre, drängten die Unternehmen aber nicht dazu, ihre Geschäftsführung zu verbessern.

 

Durch diese Reformen hat sich die Eigenkapitalrendite japanischer Aktien verbessert, die zuvor niedriger war als die von europäischen Titeln. Im letzten Jahr war die Eigenkapitalrendite in Japan höher als in Europa. Das hat ausländische Anleger angelockt, die heute mehr als 30% der Aktien am japanischen Aktienmarkt halten – mehr als japanische Finanzinstitute.

 

F: Haben wir nach dieser guten Entwicklung nicht den richtigen Zeitpunkt verpasst, um in japanische Aktien einzusteigen?

A: Am japanischen Aktienmarkt gibt es ganz bestimmt viele teure Aktien, doch der Markt besitzt auch Breite und Tiefe, und die Bewertungen sind nicht überall hoch. Unter den rund 1200 Aktien in unserem Anlageuniversum finden wir nach wie vor attraktiv bewertete Kandidaten. Noch ist der Zug für die Anleger nicht abgefahren. Wir glauben, dass sich die Lage weiter bessern wird, denn die Veränderungen vollziehen sich noch immer recht langsam.

 

F: Wie verwalten Sie die Strategie?

A: Ich halte nach Unternehmen Ausschau, die vom langfristigen sozialen oder technologischen Wandel profitieren. Sie verzeichnen eine steigende Nachfrage, sodass sie leichter wachsen, auch wenn diese Unternehmen nicht aggressiv investieren. Als Anleger möchte man bei bedeutenden Trends auf der richtigen Seite stehen; dazu zählen etwa Japans älter werdende Bevölkerung, die wachsende Kaufkraft der Verbraucher in Schwellenländern und strengere Umweltvorschriften. Man möchte von der wachsenden Nachfrage profitieren und über den nötigen Wettbewerbsvorsprung verfügen, um diese positiven Impulse ausnutzen.

 

Wir glauben, dass Japan diesmal von so vielen Faktoren getragen wird, dass es kein Zurück gibt.

Wir halten zum Beispiel Aktien einiger japanischer Personalunternehmen. Angesichts der starken Konjunktur und des strukturellen Arbeitskräftemangels wechseln die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz nun häufiger. Personalunternehmen können recht mühelos schnell wachsen, wenn sie sich diesen Trend zu eigen machen.

 

Interessant finden wir auch Unternehmen, die sich in der Restrukturierung befinden, ihre Strategie ändern, ihren Produktmix optimieren oder ihre Governance verbessern – also etwas tun, das den Markt dazu bewegen könnte, seine Meinung über diese Unternehmen zu überdenken. Dabei handelt es sich in der Regel um Substanzwerte, die sich wirklich ändern, wenn es einen guten Grund dazu gibt.

 

F: Welche Sektoren finden Sie in diesem Markt interessant?

A: Erstens Dienstleistungen im weiteren Sinne. Eine unserer Positionen, das Personalunternehmen Recruit, bietet noch ganz viele andere Dienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen an und produziert verbraucherorientierte Medien. Neben Personalunternehmen gefällt uns praktisch alles, was von der Entwicklung des japanischen Konsums profitiert.

 

Zweitens Unternehmen im Bereich Automatisierung, zum Beispiel Keyence und FANUC. Keyence ist ein Beratungsunternehmen, das Anlagen konzipiert, die die Möglichkeiten der Automatisierung besser nutzen, und die dafür nötigen Komponenten liefert. FANUC stellt Industrieroboter her; dem Unternehmen kommt dabei die starke weltweite Nachfrage nach Lösungen zur Steigerung der Produktivität zugute. Die Nachfrage nach Automatisierungslösungen ist in den Industrieländern zwar immer noch am stärksten, wächst in China aber sehr schnell. Dort könnte die Zahl der Roboter um ein Vielfaches steigen.

 

F. Welche Sektoren meiden Sie?

A: Das Bankwesen zum Beispiel. Wir glauben, dass es in Japan viel zu viele Kreditinstitute von Banken bis hin zu staatsnahen Kreditanstalten gibt. Das Angebot an Krediten ist in Japan praktisch unbegrenzt. Das hat zur Folge, dass die Nettozinsmargen immer weiter sinken, die Renditespreads wirklich mager und die Zinssätze im Endeffekt immer noch negativ sind. Es ist einfach zu schwierig, Geld zu verdienen. Darüber hinaus ist die Bankenregulierung sehr streng. Die Fundamentaldaten der Banken dürften sich erst bessern, wenn der Sektor konsolidiert.

 

Klassische Hersteller wie Stahlerzeuger haben auch mit Problemen zu kämpfen, zum Beispiel mit der direkten Konkurrenz aus China und anderen Billiglohnländern. Für die Unternehmen in diesen Industriezweigen ist es sehr schwierig, ihre Preismacht zu bewahren, und viele von ihnen werden nach China verkauft.

 

F: Ist dies nicht einfach nur wieder ein „trügerisches Signal zum Aufbruch“ für japanische Aktien?

A: Wir glauben, dass Japan diesmal von so vielen Faktoren getragen wird, dass es kein Zurück gibt. Wenn sich die Lage früher verschlechterte, erhöhten die japanischen Unternehmen ihren Einsatz vorübergehend – und fielen wieder in alte Muster zurück, wenn die Lage sich wieder besserte. Diesmal verhindern der neue Governance- und der Stewardship-Kodex, höhere ausländische Investitionen und die wachsende Konkurrenz aus China, dass Japan den Rückwärtsgang einlegt.

 

Aber natürlich gibt es auch Risiken. Nicht jedes Unternehmen wird besser, und manche sträuben sich gegen Veränderungen. Der japanische Markt wird langsam vielfältiger, weniger zyklisch und weniger abhängig von den Exporteuren. Dem weltweiten gesamtwirtschaftlichen Zyklus bleibt er aber weiterhin sehr stark ausgesetzt. Bei einem weltweiten Abschwung, vor allem wenn er von den USA ausgeht, werden die Gewinne in Japan leiden – das ist unvermeidlich.

 

F: Noch ein paar Worte zum Abschluss?

A: Jetzt könnte der richtige Zeitpunkt für eine Anlage in Japan sein. Wir halten Japan für einen hochwertigen Markt, der sich gerade bessert; das Risiko-Rendite-Profil ist wirklich attraktiv. Japan besitzt die Merkmale eines Industrielandes, hat aber den Vorteil, dass viel Raum für Verbesserungen besteht. Dieser Prozess könnte 20 Jahre dauern, sodass ich erhebliches Gewinnpotenzial sehe.

 

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die hierin dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung:

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Die Strategie kann bei ihrem Streben nach langfristigen Kapitalwertsteigerungen sowohl Growth- als auch Value-Ansätze verfolgen und ist daher mit höheren Risiken verbunden.

 

 

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