2018: Konsens-Trades haben sich (noch nicht) ausgezahlt

Arif Husain , Portfolio Manager
Andrew Keirle , Portfolio Manager
Ken Orchard , Portfolio Manager
Quentin Fitzsimmons , Portfolio Manager
Ju Yen Tan , Portfolio Manager

Einmal im Monat überprüfen unsere Anleihenexperten mit Unterstützung unserer Analysten und Händler ausführlich das gesamte Chancenspektrum im Bereich der  festverzinslichen Anlagen. Dieser Artikel hebt ein bestimmtes Thema hervor, das die Märkte aktuell beherrscht.

Einige beliebte Investments, sog. „Konsens-Trades“, werden seit Anfang 2018 von den Märkten auf eine harte Probe gestellt. Das ging am Jahresanfang los, als sich viele Anleger wegen der guten globalen Wachstumsdaten auf globale Aktien stürzten – und bei der heftigen Korrektur im Februar die Folgen zu spüren bekamen. Ebenfalls beliebt waren Short-Positionen im US-Dollar, die aber unter Druck gerieten, als der DXY Index im April und Mai um 4,5% stieg. Anleihen und Währungen der Schwellenländer traf es als nächstes, als sich der Markt über die steigenden Ölpreise und die höheren US-Renditen sorgte. Durationsbezogene Shortpositionen waren die vierte bedeutende Art von Konsens-Trades, die stark gefragt waren, als der Markt sich auf weltweite Zinserhöhungen einstellte. Doch auch sie sind bislang nur begrenzt erfolgreich, da die Inflation beharrlich niedrig bleibt. Schließlich beurteilten viele Anleger die Peripherieländer der Eurozone als sicheren Zufluchtsort vor steigenden weltweiten Renditen. Der Gegenbeweis folgte jedoch, als Ende Mai die politischen Risiken in Italien zunahmen.

 

Bei unseren letzten Policy-Week-Sitzungen nahm unser globales Anlageteam diese Investments genauer unter die Lupe und untersuchte, ob andere Konsens-Trades auch in Gefahr sind – oder weiterhin Chancen bieten.

 

Der Konsens-Trade in den Schwellenländern war ohne Zweifel der schmerzhafteste. Nachdem sie viele Jahre gewartet hatten, ehe sie sich wieder in den Schwellenländern engagierten, nutzten zahlreiche Anleger die Rally im Rohstoffbereich, um ihre Allokationen in Entwicklungsländern zu erhöhen – vom Jahresanfang bis April waren die Mittelzuflüsse positiv, vor allem jene in Aktien der Schwellenländer. „Die Nachfrage nach Anlagen aus Schwellenländern hat eine Eigendynamik entwickelt und die Marktteilnehmer davon überzeugt, mehr in diesen Sektor zu investieren“, erklärt Ken Orchard, Portfoliomanager und Mitglied des globalen Anlageteams. „Der rasante Anstieg der Ölpreise weckte dann jedoch Bedenken, die Inflation und die Leistungsbilanzdefizite in Ländern wie Argentinien und der Türkei könnten steigen, was wiederum Währungsabwertungen und beträchtliche Mittelabflüsse auslöste.“

Die Nachfrage nach Anlagen aus Schwellenändern hat eine Eigendynamik entwickelt und die Marktteilnehmer davon überzeugt, mehr in diesen Sektor zu investieren...
- Ken Orchard, Portfolio Manager and Member of the Global Investment Team

Dies habe jedoch die Chance eröffnet, Währungen zu kaufen, die seit der Verkaufswelle unterbewertet sind, merkt Orchard an. „Dabei stechen Rohstoffwährungen mit Bezug zum Öl hervor, insbesondere der russische Rubel und der kolumbianische Peso“, so Orchard weiter. Er fügt hinzu, dass einige lokale Anleihen zudem bei der Korrektur in den Schwellenländern zu stark unter Druck geraten seien, zum Beispiel Lokalwährungsanleihen aus Brasilien, bei denen die fünfjährigen Titel eine Rendite von 10,75% bieten, während der Leitzins bei 6,5% liegt und der Inflationsdruck gering ist.

Eine Kombination aus stetigen Abflüssen und negativen titelspezifischen Faktoren würde an den Kreditmärkten eine stärkere Korrektur auslösen...
- Ken Orchard, Portfolio Manager and Member of the Global Investment Team

ABBILDUNG 1: J.P. Morgan Emerging Market Currency Index

 

 

Quelle: J.P. Morgan. Analysen von T. Rowe Price.

Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

 

Der Misserfolg der durationsbezogenen Shortpositionen hat viele Anleger dazu veranlasst, ihre Bestände zu reduzieren – das könnte sich nach Orchards Worten jedoch als etwas zu voreilig entpuppen. „Der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen, um die Inflation bereits abzuschreiben“, erklärt er. „Der Effekt der steigenden Ölpreise hat sich verzögert und macht sich erst jetzt langsam bemerkbar, wie die aktuellen deutschen Inflationsdaten zeigen [die auf dem höchsten Stand seit einem Jahr sind]. Gleichzeitig merkte der US-Offenmarktausschuss im Protokoll zu seiner letzten Sitzung an, dass die Konjunkturbedingungen seiner Erwartung nach weitere allmähliche Zinserhöhungen rechtfertigen dürften.“ Das globale Anlageteam kam zu dem Schluss, dass die verbliebene untergewichtete Position in der Duration in erstklassigen Ländern im aktuellen Umfeld noch immer gerechtfertigt sei.

 

Der nächste Konsens-Trade, der sich für die Anleger negativ auswirken dürfte, wird aller Voraussicht nach die Long-Positionierung in Unternehmensanleihen sein, die seit der Finanzkrise entstanden ist. Wann es zu einer Korrektur kommen oder wodurch sie ausgelöst werden könnte, ist aber unklar. Nach Orchards Worten könnte die jüngste Korrektur in den Schwellenländern nützliche Anhaltspunkte liefern. „Eine Kombination aus stetigen Abflüssen und einer Reihe von negativen titelspezifischen Faktoren würde an den Kreditmärkten eine stärkere Korrektur auslösen“, meint er. „Dieses Szenario scheint sich zwar nicht unmittelbar abzuzeichnen, wir bleiben aber vorsichtig und legen den Fokus weiter auf unsere Bottom-up-Analysen, um gute Unternehmen aufzuspüren.“

 

Der Sektor der Derivate könnte brauchbare Hinweise auf künftige Phasen mit einer erhöhten Volatilität liefern. „Im Februar war es sehr interessant zu sehen, wie synthetische Indizes während der Aktienmarktkorrektur hinter Unternehmensanleihen zurückblieben, vor allem weil darauf eine deutliche Ausweitung der Spreads von Baranleihen folgte“, sagt Orchard. Er fährt fort, dass die Anleger sich zunächst gescheut haben, ihre Allokationen in Kreditpapieren zu verkaufen, und Derivate nutzten, um das kurzfristige Beta der Kreditpapiere in ihren Portfolios zu managen. Das Team kommt zu dem Schluss, dass synthetische Indizes und Optionen aktuell die effektivste Methode sein dürften, um eine taktische defensive Haltung gegenüber Unternehmensanleihen zum Ausdruck zu bringen.

 

201806-526844

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