Volkswirtschaften und Märkte: Nachbeben In China Erschüttern Globale Märkte

Zusammenfassung

Die Entwicklungen in China haben die globalen Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkte abermals in Aufruhr versetzt und die Befürchtungen des vergangenen Sommers nach der überraschenden Währungsabwertung und dem Börsencrash wieder aufleben lassen.

 

Die Märkte werden wahrscheinlich volatil bleiben, die Konjunktur in China dürfte weiter an Fahrt verlieren, und die Währung des Landes könnte sich weiter abschwächen. T. Rowe Price rechnet jedoch nicht mit einer harten Landung oder einer Finanzkrise in China.

 

Die jüngsten Turbulenzen am chinesischen Markt ändern nichts an unserem positiven langfristigen Ausblick für Anlagen in China und Asien allgemein.

DIE WÄHRUNG

Die chinesische Währung, der Renminbi, steht unter Druck, und das zunehmend, seit die Anleger durch die Abwertung der chinesischen Behörden im August vergangenen Jahres überrascht wurden. Da sich der Renminbi seit Ende des vergangenen Jahres nicht mehr nur am US-Dollar, sondern an einem Währungskorb orientiert, ist eine weitere Abwertung zu erwarten. Zuletzt hat der US-Dollar gegenüber den meisten Hartwährungen der Welt zugelegt, während der Renminbi seinen tiefsten Stand zum US-Dollar seit fünf Jahren erreichte.

 

Die Möglichkeit einer weiteren unerwarteten deutlichen Abwertung stellt gegenwärtig das größte Risiko für China dar, da dadurch die anhaltenden Kapitalabflüsse beschleunigt werden könnten und die Wirtschaft des Landes noch stärker unter Druck geraten könnte. Wenn die globalen Märkte einmal davon ausgehen, dass China seine Währung weiter abwerten möchte, werden sich die Kräfte, die versuchen werden, von diesem Schritt zu profitieren, nur sehr schwer kontrollieren lassen.

 

Wir erwarten, dass China Schwankungen des Renminbi gegenüber dem neuen Währungskorb in einem bestimmten Maß zulassen wird. Dabei würde die Währung in diesem Jahr weiter unter Abwärtsdruck stehen, wenn auch unter einem recht kontrollierten. Eine solche Abwertung lässt sich indes schwer steuern. Die Regierung wird möglicherweise weiterhin auf ihre hohen Fremdwährungsreserven zugreifen müssen, um die Währung in den kommenden Quartalen zu verteidigen. China kann sich dies eine Zeit lang leisten, aber nicht für immer.

 

In unserem Basisszenario rechnen wir daher mit einer geordneten, schrittweisen Abwertung des Renminbi in diesem Jahr. Zudem dürften die Behörden bemüht sein, das Vertrauen in die Währung wieder aufzubauen. Es ist aber auch durchaus eine problematischere Entwicklung denkbar

 

Abbildung 1: Chinesischer Yuan pro 1 US-Dollar

Invertierte Skala zur Veranschaulichung der Yuan-Abwertung

 

Quelle: Bloomberg. Stand: Januar 2016

 

DIE WIRTSCHAFT

Dass China – die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – sich von seinem in den vergangenen Jahrzehnten erreichten zweistelligen Wachstum verabschieden musste, war unausweichlich, zumal die Regierung einen Wandel herbeiführen will – weg von einem Wachstumsmodell, das primär auf Produktion, Investitionen und Exporte setzt, und hin zu einer Wirtschaft, die stärker vom Binnenkonsum und Dienstleistungen getragen wird.

 

Das langsamere Wachstum und die zunehmende Besorgnis, ob dieser Wandel von der chinesischen Regierung effektiv gesteuert werden kann, hatten in den vergangenen drei Jahren mehrfach Verwerfungen in den globalen Schwellenländern zur Folge. Mittlerweile greifen die Befürchtungen auch auf die Industrienationen über.

 

Die jüngsten repressiven Maßnahmen, mit denen die Regierung den Aktienmarkt und die Währung stützen wollte, und ihre widersprüchlichen Äußerungen haben das Vertrauen der Anleger in die chinesische Führung geschwächt und zu weiteren Kapitalabflüssen aus dem Land geführt.

 

Die Regierung bestätigte kürzlich, bis 2020 weiter von einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 6,5 % pro Jahr auszugehen. Unseres Erachtens dürfte dies ohne einige unerwünschte Folgen jedoch nur schwer erreichbar sein.

 

Während weiterhin ein hohes Risiko besteht, dass politische Fehler begangen werden, worauf genau geachtet werden sollte, halten wir eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft nicht für sehr wahrscheinlich. Die politischen Entscheidungsträger werden sie um jeden Preis verhindern wollen, zumal auch ihr eigenes Wohl und Wehe davon abhängen dürfte.

 

Wahrscheinlich werden sie unter anderem mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen das Wachstum und einen sanften Wandel unterstützen. Selbst ein Wachstum Chinas von 6,3 % in diesem Jahr, wie es der Internationale Währungsfonds vorhersagt, wäre im globalen Vergleich immer noch sehr beeindruckend.

 

DIE SCHULDENBLASE UND DIE FINANZKRISE

China erlebte seit der Finanzkrise 2008 einen massiven Schuldenaufbau und einen erheblichen Anstieg notleidender Aktiva in seinem Bankensystem.

 

Die Höhe ausfallgefährdeter Kredite liegt nach unserer Einschätzung deutlich über den von der Zentralbank angegebenen 1,5 %. Die Bewertungskurse chinesischer Bankaktien lassen vermuten, dass der Anteil der notleidenden Kredite bei ungefähr 6 % liegt. Würden all diese notleidenden Aktiva plötzlich offiziell erfasst, könnte dies erhebliche Folgen für die Wirtschaft haben und früher oder später eine Finanzkrise auslösen. Angesichts der Kontrolle des Banken- und Finanzsystems durch die chinesische Regierung erscheint dies jedoch extrem unwahrscheinlich.

 

Abbildung 2: Chinas reales BIP gegenüber dem Vorjahr in %

Eine starke Abschwächung des Wirtschaftswachstums

 

Quelle: Bloomberg und Staatliches Amt für Statistik der Volksrepublik China. Stand: Januar 2016

 

Viel wahrscheinlicher ist, dass in den kommenden Jahren uneinbringliche Forderungen weiterlaufen oder umgeschuldet werden, da China keine Finanzunternehmen scheitern lassen möchte, großen Wert auf Stabilität legt sowie über enorme Leistungsbilanzüberschüsse und Devisenreserven verfügt.

 

Wenn China das Problem vor sich herschiebt und auf einen raschen Schuldenabbau verzichtet, besteht das Risiko, dass die Wirtschaft auf längere Sicht massiv darunter leidet.

 

Dies ist einer der Gründe, warum wir von einem immer langsameren Wachstum ausgehen, sofern China keine weiteren strukturellen Reformen umsetzt, um die Effizienz und Produktivität in der Wirtschaft zu verbessern.

 

DER AKTIENMARKT UND DIE FÜHRUNG IN CHINA

Obwohl der Shanghai Composite Index im vergangenen Sommer um 45 % einbrach, gehörte der chinesische Aktienmarkt mit einem Plus von 9,4 % in US-Dollar (FactSet) im Gesamtjahr zu den Gewinnern in der Region. Der starke Rückgang zu Beginn dieses Jahres zeigt jedoch, dass mit Blick auf die chinesische Wirtschaft, die Währung und die Führung wieder Ängste um sich greifen.

 

Im bisherigen Jahresverlauf musste die Regierung ihre Politik neu ausrichten und den neu eingeführten Sicherungsmechanismus, der dazu führte, dass der Börsenhandel wegen hoher Kursverluste binnen einer Woche zweimal ausgesetzt werden musste, vorläufig aufheben. Die chinesischen Entscheidungsträger haben zweifelsohne Schwierigkeiten, staatliche Kontrolle und marktorientierte Preisfindungsmechanismen auszutarieren.

 

Es sollte aber auch darauf hingewiesen werden, dass die Schuld für die Turbulenzen an den globalen Aktienmärkten zu Beginn dieses Jahres nicht allein bei China liegt. Die Anleger sorgen sich auch um das Wachstum in den USA und weltweit, den fallenden Ölpreis, die Aussichten für die Unternehmensgewinne und die letztendlich begonnene Zinsanhebung durch die US-Notenbank.

CHANCEN UND AUSBLICK

Trotz der Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt machen wir nach wir vor attraktive Unternehmen ausfindig, deren langfristige Gewinnaussichten die kurzfristigen Risiken überwiegen. Einer unserer Schwerpunkte liegt dabei auf sogenannten disruptiven Technologien. Die Anlage in einige wachstumsstarke chinesische Internetunternehmen erwies sich als höchst profitabel.

 

Wir sehen auch Chancen im Konsumgüter- und Dienstleistungssektor, zumal chinesische Verbraucher, die auf der Wertschöpfungskurve nach oben klettern, zunehmend teurere und hochwertigere Produkte kaufen 500 Internal Server Error

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