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Juni 2020 / MARKET OUTLOOK

Positive Signale für Japans Aussichten nach Corona

Die Pandemie beschleunigt Veränderungen in Japans Unternehmen

Überblick

  • Japanische Unternehmen sitzen auf sehr viel Geld und dürften eine globale wirtschaftliche Rezession, die kurzfristig drohen könnte, gut überstehen.
  • Japan könnte außerdem auf lange Sicht ein Gewinner der Coronavirus-Pandemie sein, denn sie zwingt japanische Unternehmen, sich anzupassen und auf neue Arbeitsmodelle und Technologien zu setzen.
  • Der beschleunigte Wandel in japanischen Unternehmen könnte allein schon hinsichtlich der Produktivität starke Auswirkungen auf das langfristige Wachstum in Japan haben.


Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Die Coronavirus-Pandemie birgt nicht nur unmittelbare Risiken für die öffentliche Gesundheit, sondern dürfte in aller Welt weitreichende Auswirkungen haben. Wir wurden bereits Zeugen, wie die Krise schwere Verwerfungen in der Wirtschaft verursacht hat, die ziemlich sicher in eine Rezession der Weltwirtschaft münden werden. Auch wenn dies unmöglich anmuten mag, werden die potenziellen Effekte der Pandemie nicht durchweg negativ sein. Aus Anlegersicht ist Japan ein möglicher Gewinner der Coronavirus-Krise, da sie traditionelle Unternehmen zwingt, nach innovativen Arbeitsmodellen zu suchen und auf neue Technologien zu setzen. Einigen gelingt es natürlich besser, sich anzupassen und sich weiterzuentwickeln, als anderen. Daher ist eine aktive Auswahl überaus wichtig.
 

In Krisenzeiten gilt: „Cash Is King“

Japans Aktienmarkt mit seinem hohen Beta ist alles andere als immun gegen die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs und erlitt im 1. Quartal im Zuge der generellen Flucht aus Risikoassets hohe Verluste. Ermutigend war jedoch, dass japanische Unternehmen trotz der extremen Unsicherheit die Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden insgesamt weiter steigern konnten.

„In Krisenzeiten gilt: Cash is King“, sagt man. Und davon haben japanische Unternehmen reichlich. Japanische Unternehmen verfügten zu Beginn der Coronavirus-Krise über die höchsten je verzeichneten Barreserven. Insgesamt wiesen sie in ihren Bilanzen per Ende Dezember 2019 nach Angaben des japanischen Finanzministeriums Barreserven in Höhe von mehr als 6,5 Bio. USD aus. Noch dazu sind diese Barreserven in fast jedem Sektor der japanischen Wirtschaft vorhanden.

Abbildung 1 zeigt, dass alle japanische Unternehmen zusammen mit Stand vom 31. Dezember 2019 über ein beträchtliches Liquiditätspolster verfügten, was in schwierigen Marktphasen besonders vorteilhaft ist. Hohe Barreserven eröffnen Japans Unternehmen zudem Möglichkeiten. Sie können Liquiditätsüberschüsse zum Beispiel nutzen, um Schulden zu tilgen, ins Unternehmen zu reinvestieren oder mehr Kapital an die Aktionäre zurückzuzahlen und die Eigenkapitalrendite (ROE) zu verbessern. In den letzten Jahren legten japanische Unternehmen den Schwerpunkt eindeutig auf diese dritte Option. In höhere Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre mittels rekordhoher Aktienrückkäufe und höherer Dividenden flossen dabei enorme Summen.
 

Japanische Unternehmen verfügen über sehr hohe Barreserven

(Abb. 1) Barmittel und Liquidität in Prozent des Gesamtvermögens des Unternehmens 

(Abb. 1) Barmittel und Liquidität in Prozent des Gesamtvermögens des Unternehmens

Stand: 31. Dezember 2019.

Quelle: Japanisches Finanzministerium, Datenanalysen von T. Rowe Price. Enthält ausschließlich  Nichtfinanz-Aktien.

Höhere Rückzahlungen an Aktionäre , Spielraum für weitere potenzielle Erhöhungen

Seit Japan im Jahr 2012 den Startschuss für die als „Abenomics“ bezeichnete Wirtschaftsstrategie gab, hat sich die Gesamtausschüttungsquote japanischer Unternehmen (also Dividenden plus Aktienrückkäufe) als Anteil des Reingewinns fast verdoppelt – auf rund 60% per Ende 2019.2 Traditionell neigen japanische Unternehmen allerdings dazu, Barreserven nutzlos in ihren Bilanzen zu horten. Diesen starken Anstieg finden wir daher durchaus eindrucksvoll.

Trotzdem haben die Kapitalrückzahlungen an Anleger noch mehr Luft nach oben. Im genannten Zeitraum von 2012 bis 2019 haben sich die Barguthaben und kurzfristigen Einlagen japanischer Unternehmen ebenfalls beinahe verdoppelt. Wir fänden es gut, wenn die Unternehmen – statt in schlechte Gewohnheiten zurückzufallen – mehr von diesem Geld zur Finanzierung höherer Ausschüttungen an ihre Aktionäre und zur Verbesserung ihrer ROE verwenden würden.

Diese höheren Rückzahlungen an die Aktionäre sind ein Trend, der zum Teil von besseren Corporate-Governance-Vorschriften in Japan unterstützt wurde. Dieses Thema haben wir zuvor bereits ausführlich erörtert. Premierminister Shinzo Abe hat der Angleichung der japanischen Governance-Standards an die globalen Normen Priorität eingeräumt. So wurde ein neuer Governance-Rahmen eingeführt, der auf globalen Best Practices basiert und Unternehmen zu höheren Kapitalrückzahlungen an ihre Aktionäre ermuntert.

Angesichts der hohen finanziellen Ressourcen gehen wir davon aus, dass in Japan kurzfristig weniger Unternehmen ihre Dividenden kürzen müssen als in anderen globalen Märkten, in denen die Barmittelreserven nicht so hoch sind. Wir sind auch davon überzeugt, dass japanische Aktien nur dann attraktiver werden, wenn die Unternehmen nach der Pandemie den Beweis erbringen können, dass sie ihre hohen Barmittel nutzen und ihre Aktionäre frühzeitig belohnen wollen.
 

So beschleunigt die Pandemie  Veränderungen

Die Coronavirus-Pandemie verändert Japan – mit bedeutenden langfristigen Folgewirkungen. Zum Beispiel haben die wegen des Coronavirus eingeführten Beschränkungen viele Ineffizienzen in japanischen Unternehmen aufgedeckt und zwingen diese nach flexiblen Arbeitsmodellen zu suchen und auf neue Technologien zu setzen.

Die Pandemie beschleunigt Veränderungen

(Abb. 2) Mangelnde Flexibilität von Japans Unternehmen wurde aufgedeckt

(Abb. 2) Mangelnde Flexibilität von Japans Unternehmen wurde aufgedeckt

1 Quelle: Japanisches Innenministerium, Stand: 2018. Umfrage unter Unternehmen mit mindestens 100
Beschäftigten.

2 Quelle: Reuters, Stand: Februar 2020. Umfrage unter japanischen Unternehmen, sektorübergreifend, von Januar 2020 bis Februar 2020.

Einige Unternehmen nutzen Call-Center-Lösungen mit künstlicher Intelligenz (KI), andere haben Medien- / Konferenzplattformen aufgebaut , um mit ihren Mitarbeitern im Home Office in Kontakt zu bleiben.

Japanische Unternehmen verfügten zu Beginn der Coronavirus-Krise über die höchsten je verzeichneten Barreserven...

Für ein Land, das für sein technologisches Know-how und seine Innovationskraft bekannt ist, nutzen noch immer sehr viele Unternehmen veraltete Technologie. Das liegt wenigstens zu einem gewissen Teil auch an älteren Mitarbeitern, die sich mit der Nutzung moderner Technologie eher zurückhalten. Doch es gibt auch rechtliche Hürden, etwa die Vorschrift, dass viele Dokumente von Unternehmen mit einem Firmenstempel versehen werden müssen. Die Beibehaltung solcher traditionellen Praktiken behindert den Fortschritt in der digital effizienten Welt von heute.

Ein Sinnbild für das noch weit verbreitete konservative Denken in Japan ist das Faxgerät. In anderen großen Volkswirtschaften zählen Faxgeräte längst zum alten Eisen und gelten als „Technologie von gestern“. Doch in Japan zeigte eine aktuelle Studie der Regierung, dass praktisch jedes Unternehmen und jeder dritte Privathaushalt für einen Teil ihrer Kommunikation noch immer Faxgeräte nutzt.
 

Krise beschleunigt Wandel zu innovativen, flexiblen Lösungen rund ums Thema Arbeit

Arbeiten im Home Office war eine unvermeidliche Innovation für Japans Unternehmen, nachdem die Regierung sie aufgefordert hatte, die Zahl der Personen in Büros um 80% zu verringern, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Für viele japanische Arbeitnehmer, die den überlasteten täglichen Pendelverkehr, lange Arbeitszeiten im Büro und die Ineffizienzen ihrer Organisationen hassen, war das Arbeiten im Home Office eine Offenbarung – etwas, auf das sie auch nach der vollständigen Aufhebung des Lockdown möglichst nicht verzichten möchten.

Lange zu arbeiten, bis spät in die Nacht für Kunden da zu sein und Überstunden zu machen galt in Japan lange Zeit als Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Diese Arbeitskultur hat sich stetig verändert; immer mehr ältere Arbeitnehmer gehen in Rente, und eine jüngere Generation von fortschrittlicher denkenden Beschäftigten rückt nach.

Der Ausbruch des Coronavirus hat diesen Trend verstärkt. Der Druck, neue, flexible Arbeitsmodelle zu finden, hat einigen japanischen Unternehmen zu der Erkenntnis verholfen, dass Telearbeit nicht nur möglich, sondern auch eine sehr gute Alternative zu langen Arbeitszeiten im Büro ist. Zufriedenere Beschäftigte können produktiver sein. Japans Regierung teilt die Einschätzung, dass viele traditionelle Arbeitsweisen moderneren Modellen wie Telearbeit, digitalen Transaktionen und der Verlegung von Unternehmensabläufen ins Internet weichen müssen, damit Japans Wirtschaft nicht den Anschluss verliert.

...sie zwingt japanische Unternehmen, sich anzupassen und auf neue Arbeitsmodelle und Technologien zu setzen.

Widerstandsfähigkeit und Beständigkeit waren in den letzten Jahrzehnten so etwas wie Markenzeichen des japanischen Aktienmarkts. Diese Eigenschaften und die hohen Barreserven in den Bilanzen der Unternehmen sollten Japan in die Lage versetzen, gut mit einem potenziellen kurzfristigen globalen Konjunkturabschwung zurechtzukommen – und vielleicht sogar eine anschließende Erholung anzuführen. Längerfristig betrachtet, hat die Coronavirus-Pandemie einige Unzulänglichkeiten in Japan aufgedeckt. Wenn die Coronavirus-Pandemie etwas Gutes hat, dann dass sie Japans Unternehmen zwingt, sich anzupassen und auf neue Arbeitsmodelle und Technologien zu setzen. Die Beschleunigung des Wandels in Japan könnte allein schon im Hinblick auf die Produktivität ein Segen für das langfristige Wachstum in Japan sein.

Darauf achten wir in nächster Zeit

In den letzten Wochen hat uns ein deutlicher Wachstumsschub darin bestätigt, den Fokus weiter auf Unternehmen zu legen, die mittel- bis langfristig beständiges Wachstum erzielen können sollten. Das Coronavirus hat einige dieser Wachstumsfaktoren stärker in den Vordergrund gerückt, denn Verbraucher müssen entfernt arbeiten und konsumieren und darüber hinaus im Alltag stärker auf neue Technologien setzen. Daher betrachten wir unsere Positionen in Bereichen wie Zahlungsabwicklung und anderen technologieorientierten Lösungen sehr genau. Sie haben sich während der aktuellen Krise zwar relativ gut entwickelt, jedoch sind wir von diesen Titeln weiter sehr überzeugt, weil die Wachstumsaussichten unseres Erachtens nun in der Tat klarer sind.

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