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Juli 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

«Wachstumsnachzügler» bieten interessante Wertpotenziale

Einige starke Unternehmen könnten von einem verzögerten Nachfrageschub profitieren

Die wichtigsten Punkte

  • Anleger sollten bei der Suche nach langfristigen Wachstumschancen ein breites Anlagespektrum in Betracht ziehen.
  • Gesundheitsunternehmen in den Bereichen Diagnostik und Bioverfahrenstechnik dürften bei der Eindämmung des Coronavirus eine entscheidende Rolle spielen, sind jedoch zuletzt weitgehend aus dem Blickfeld der Anleger gerückt.
  • Kabelanbieter könnten von der zunehmenden Umstellung auf drahtlose Dienste profitieren, indem sie sich mit Streamingdiensten im Breitbandsektor neu positionieren.

 

Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Teams liegt auf der Suche nach Unternehmen mit hohen langfristigen Wachstumspotenzialen, die Technologien einsetzen, um weitere Marktanteile zu erobern oder gänzlich neue Märkte zu erschließen, sodass sie weniger stark von der Konjunktur abhängen. In anderen Worten konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die «auf der richtigen Seite des Wandels» stehen und weltweit für weitreichende Umwälzungen in ihrer Branche sorgen.

Während viele große Wachstumskonzerne von den pandemiebedingten Ausgangssperren profitiert haben, wurde das Wachstum anderer disruptiver Unternehmen dadurch unterbrochen. Die Anleger sollten daher bei der Suche nach langfristigen Wachstumschancen ein breites Anlagespektrum in Betracht ziehen und den Blick über den Tellerrand werfen. Viele der Unternehmen in unserem Portfolio sind weniger bekannt als die großen Internetplattformen, die die Börsenrally in den letzten Monaten angeführt haben. Wir glauben, dass viele dieser Unternehmen, deren Wachstum sich wegen der Corona-Pandemie verzögert, hohe Wertpotenziale bieten, sobald Impfstoffe oder wirksame COVID-19-Medikamente verfügbar sind und sich die globale Wirtschaft wieder vollständig normalisiert.
 

Innovative Gesundheitsunternehmen, die aus dem Blickfeld der Anleger geraten sind

Wenngleich sich heute alles darum dreht, Medikamente und Impfstoffe gegen COVID-19 zu finden, verzichten wir normalerweise auf ein Engagement im Pharmasektor – und zwar aus verschiedenen Gründen. Zum einen verzeichnen diese Unternehmen insgesamt nur moderate Umsatzsteigerungen. Zugleich ist eine enorme Innovationsstärke erforderlich, um alte Blockbuster-Medikamente zu ersetzen. Zudem dürfte es – zumindest anfänglich – schwierig sein, mit einem Impfstoff hohe Einnahmen generieren.

Für wesentlich interessanter halten wir den Bereich Biowissenschaften, da dieser ebenso innovationsstark ist, jedoch niedrigeren regulatorischen Risiken (beispielsweise in Form von Medikamentenpreiskontrollen) unterliegt. Ein besonderer Fokus liegt auf den Bereichen Diagnostik und Bioverfahrenstechnik.

Wir gehen davon aus, dass die hohe Nachfrage nach molekularen Tests zum Nachweis von COVID-19-Infektionen und nach serologischen Tests auf Antikörper länger anhalten wird als allgemein erwartet, da beispielsweise Ärzte und Krankenschwestern voraussichtlich zwei- oder dreimal pro Woche getestet werden.

Biologika, die auf aus Lebendzellen gewonnenen Proteinen basieren, könnten schon bald mehr als die Hälfte der in der Entwicklung befindlichen Medikamente ausmachen.

Ein Beispiel für einen Akteur an diesem Markt ist DiaSorin, ein italienisches Biotechunternehmen für Spezialdiagnostik, das einen Test auf Antikörper gegen das Spike-Protein entwickelt hat. Das Protein wird vom Coronavirus genutzt, um sich an die Zellen zu binden. Wir gehen davon aus, dass dieser Test vor allem bei der Analyse der vielen in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe eingesetzt wird, die Spike-Proteine imitieren, um eine Antikörperreaktion hervorzurufen.1

Biologika könnten schon bald mehr als die Hälfte der in der Entwicklung befindlichen Medikamente ausmachen. Im Gegensatz zu herkömmlichen, niedermolekularen Medikamenten, die durch chemische Synthese hergestellt werden, handelt es sich bei Biologika im Wesentlichen um Proteine, die aus Lebendzellen gewonnen werden und einen komplizierteren Herstellungsprozess erfordern. Bis vor kurzem wurden Biologika in großen, teuren Tanks hergestellt, die nach jedem Gebrauch gereinigt werden müssen – ein Verfahren, das Hunderttausende Dollar kosten kann. Das deutsche Unternehmen Sartorius leistet Pionierarbeit beim Ersatz solcher Tanks durch Einwegbehälter, die mit hochentwickelten Müllbeuteln vergleichbar sind und mit denen sich sowohl die Kontaminationsrisiken als auch die Investitionskosten reduzieren lassen.
 

Neue Wertpotenziale für die Breitband-Pipeline

Einige Unternehmen haben ihre Geschäftsmodelle erfolgreich angepasst, um auf das veränderte Verbraucherverhalten zu reagieren: Wegen der Pandemie verbringen die Menschen heute einen sehr viel größeren Teil ihrer Zeit zuhause. So ist beispielsweise ein schnelles Internet wichtiger geworden, das mehrere Familienmitglieder gleichzeitig nutzen können, um von zuhause aus zu arbeiten, zu studieren oder ihre Freizeit zu gestalten. Daher haben einige Kabelanbieter ihre Breitbandangebote ausgeweitet, um Marktanteile von DSL-Anbietern zu erobern, während sie den bestehenden Kunden höhere Preise für aufgerüstete Verbindungsgeschwindigkeiten berechnen. Da viele Kunden zögern, Installateure mit einer Aufrüstung in der eigenen Wohnung zu beauftragen, konnten die Kabelanbieter zudem ihren Absatz mit Selbstinstallationskits deutlich steigern. Gleichzeitig erzielen diese Unternehmen erhebliche Kosteneinsparungen und sichern sich eine loyalere Kundenbasis.

Ein Paradebeispiel für Unternehmen, die von den Ausgangssperren profitiert haben, ist Netflix, denn offenbar hat die Pandemie den Trend weg vom traditionellen Fernsehen und hin zu Streamingdiensten beschleunigt. Die Umstellung auf drahtlose Angebote kann gut positionierten Kabelanbietern ebenfalls zugutekommen: Anbieter von Breitbandzugängen könnten höhere Gewinnmargen erzielen, da ihre Kunden zunehmend vom traditionellen Fernsehen auf Streamingdienste umsteigen. Netflix, Hulu, ESPN und andere Dienste können Anbietern wie Charter Communications eine Art Vermittlungsgebühr für die Gewinnung neuer Abonnenten zahlen, wodurch der Zahlungsstrom für den Kauf von Inhalten umgekehrt wird. Charter und andere Unternehmen entwickeln ihre eigenen, Roku-ähnlichen Betriebssysteme, um zur zentralen Stelle für Streaming-Abos zu werden.
 

Anlagechancen in Unternehmen, die die Corona-Krise relativ gut überstanden haben

Wir sind derzeit auf der Suche nach Anlagechancen, die sich aus dem fortschreitenden Ausbau der 5G-Mobilfunknetze ergeben. Der Ausbau der 5G-Netze wird trotz Ausbruch des Coronavirus weiter fortgesetzt. Profitieren dürften davon unter anderem die führenden Betreiber von Mobilfunkmasten. Vor allem T-Mobile und Dish haben massiv in neue 5G-Frequenzen investiert, sodass diese zusätzliche Funkkapazitäten kaufen dürften, um ihre Investitionen zu nutzen. Betreiber von Mobilfunkmasten sollten zudem von den strengen Baubeschränkungen profitieren, die den Wettbewerbsdruck niedrig halten. Außerdem kommt ihnen bei den Investitionen das Niedrigzinsumfeld zugute.

Die Einführung von 5G dürfte bis Ende nächsten Jahres zudem zu einer deutlichen Belebung der Smartphone-Lieferkette führen. Der neue drahtlose Standard wird erhebliche Änderungen an der internen Smartphone-Struktur erfordern, um mehr Komponenten und eine bessere Wärmeableitung zu ermöglichen. Apple investiert für die Herstellung 5G-fähiger iPhones außerdem massiv in die Fabrikautomatisierung, wovon wiederum verschiedene Zulieferer profitieren könnten.

Wenngleich die Turbulenzen an den Finanzmärkten in den kommenden Monaten anhalten dürften, eröffnen potenzielle weitere Verkaufswellen gute Gelegenheiten für Zukäufe, wenn die Aktienkurse vielversprechender Unternehmen nach unten gedrückt werden. Sinkende Notierungen schaffen zudem häufig neue Gelegenheiten, um Unternehmen, deren Wachstumspotenziale wir nach oben korrigieren, in das Portfolio aufzunehmen.

 

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