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Juni 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Was das Coronavirus für asiatische Anleihen bedeutet

Asiatische Anleihen beweisen in der Coronavirus-Pandemie Widerstandsfähigkeit

Überblick

  • Asiatische Unternehmensanleihen erweisen sich in der Coronavirus-Pandemie als widerstandsfähig. Die Erfolge bei der Eindämmung der ersten Ausbrüche, die regionale Käuferbasis und das geringe Gewicht des Rohstoffsektors wirken sich positiv aus
  • Die erwartete Ausfallrate könnte steigen, dürfte wegen der Refinanzierungsaktivität und der Stützungsmaßnahmen der Politik in letzter Zeit aber nicht höher steigen als in der Vergangenheit
  • Die mittel- und langfristigen Aussichten für asiatische Unternehmensanleihen sind weiter positiv; das BB-Segment und der chinesische Immobiliensektor wirken am interessantesten.

Nach starken Schwankungen im März, als sich der Coronavirus-Ausbruch zu einer globalen Pandemie ausweitete, haben asiatische Kreditpapiere stark zugelegt. Was sind die Gründe für die Resilienz der Anlageklasse und wie schneidet sie im weltweiten Vergleich ab?

Die letzten drei Monate waren von extrem starken Schwankungen an den Finanzmärkten gekennzeichnet, die auch am asiatischen Kreditmarkt nicht spurlos vorübergingen. Die Verluste der auf US-Dollar lautenden asiatischen Unternehmensanleihen fielen jedoch geringer aus als in den Schwellenländern (EM) insgesamt. Dies zeigt: Die Anlageklasse kann eindeutig als defensiveres Segment der EM-Anleihemärkte fungieren.

Im Investment-Grade-Bereich (IG) haben sich asiatische Anleihen verglichen mit den Märkten in Europa und den USA sehr gut behauptet und den seit 15 Jahren bestehenden Trend fortgesetzt. Da IG-Anleihen aus Asien im Vergleich zu anderen Regionen häufig mit einem Abschlag bewertet sind, beweist ihre Resilienz in schwierigen Marktphasen auch, dass sie gute Diversifikationsvorteile bieten und wichtige Bausteine bei der Asset-Allokation sein können.[1]

Die jüngste Erholung der Anlageklasse geht auch auf positive Faktoren zurück, die speziell für die Region Asien-Pazifik gelten. Erstens konnten große Volkswirtschaften der Region, vor allem China und Südkorea, die Coronavirus-Ausbrüche eindämmen und haben die geschäftliche Aktivität bereits wiederaufgenommen. So weit sind andere Teile der Welt noch nicht. Außerdem hat in der Region der Rohstoffsektor relativ weniger Gewicht, so dass der letzte Ölpreiseinbruch keine so negativen Auswirkungen hatte. Und schließlich gibt es in Asien-Pazifik eine sehr starke Käuferbasis, die in der Region für eine gute strukturelle Nachfrage nach Emissionen sorgt.
 

Wie würden Sie die Liquiditätsbedingungen bei asiatischen Kreditpapieren seit dem ersten Marktschock beurteilen? Stellen Sie bereits fest, dass sich am Primärmarkt die Lage bessert?

Wie im Rest der Welt war die Liquidität am Sekundärmarkt auch in Asien sehr gering – wie es bei einem Abverkauf zu erwarten ist. Die einzigartige Herausforderung, mit der Anleger und Market Maker auf operativer Ebene konfrontiert waren, die in dieser Zeit etwa im Home Office und daher isoliert arbeiteten, machte die Umsetzung von Anlageentscheidungen mitunter schwierig. Dies führte zu erhöhten Geld-Brief-Spannen, vor allem bei asiatischen Hochzinsanleihen (HY).

Die Emissionstätigkeit am Primärmarkt lag zu Jahresbeginn deutlich über den historischen Durchschnitten, brach im März jedoch stark ein. Seitdem scheint sich die Lage zu bessern, und die meisten Emissionen stammen aus dem IG-Segment. Ganz allgemein sind asiatische Kreditpapiere wie schon in den Vorjahren noch immer die wichtigste Säule bei Emissionen von EM-Unternehmensanleihen.  Für die nächste Zeit erwarten wir, dass die Unternehmen in der Region zur Refinanzierung oder zur Streckung ihrer Schuldenprofile weiterhin die Kapitalmärkte anzapfen werden.
 

Fiskal- und geldpolitische Impulse von historischem Ausmaß könnten den Fundamentaldaten der Unternehmen in der Pandemie zugutekommen. Erwarten Sie, dass die Ausfallraten in der Region Asien-Pazifik in diesem Umfeld niedrig bleiben?

Wir wurden Zeugen, wie die politischen Entscheider aus den Industrieländern Konjunkturpakete von nie dagewesenem Umfang geschnürt haben. Auch die US-Notenbank, die ein direktes Sicherheitsnetz für US-Unternehmensanleihen geschaffen hat. In Asien haben zudem mehrere Länder eigene fiskal- und geldpolitische Impulse angekündigt. Sie versuchen dabei, den perfekten Mittelweg zu finden. Einerseits wollen sie Hilfen in angemessenem Umfang (auf Basis ihrer jeweiligen Schuldenkapazität) gewähren, andererseits müssen sie die Gesundheitssituation im Griff behalten und den Weg zurück zur normalen Wirtschaftsaktivität ebnen. Vor diesem Hintergrund sind gewisse gegenläufige Trends in der Region zu beobachten.

Zu Beginn des Jahres beurteilten wir die Aussichten für die Ausfallraten asiatischer Hochzinsanleihen nach den umfassenden Refinanzierungsaktivitäten sehr positiv. Durch den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie müssen die Erwartungen von diesen tiefen Niveaus nach oben korrigiert werden, da die schwächere wirtschaftliche Aktivität die Unternehmensgewinne belasten wird.

Dennoch sind wir davon überzeugt, dass die Ausfallrate asiatischer Hochzinsanleihen weiterhin im Bereich der historischen Durchschnitte liegen wird. Wenn wir speziell nach China blicken, erkennen wir, dass die politischen Entscheider in diesem Jahr bereits einige Maßnahmen zur Unterstützung der Liquidität bekannt gegeben haben. Ein weiter ungehinderter Zugang zu den Onshore-Anleihemärkten könnte zudem für Emittenten mit ausstehenden USD-Hochzinsanleihen das Refinanzierungsrisiko verringern.

Wir glauben, dass die Probleme im aktuellen Umfeld wohl am ehesten im Rohstoffsektor auftreten, der am Markt für Hochzinsanleihen in Asien vergleichsweise weniger Gewicht hat als in anderen Regionen. Die anhaltende Unsicherheit dürfte die Nachfrage und zudem die Erlöse vor allem der Energieproduzenten belasten.

Wie beurteilen Sie die Aussichten für asiatische Kreditpapiere? Ist jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt, um in die Anlageklasse einzusteigen?

Die Aussichten für asiatische Kreditpapiere beurteilen wir mittel- und langfristig nach wie vor positiv. Die Anlageklasse, die durch den J.P. Morgan Asia Credit Index abgebildet wird, hat in den letzten zehn Jahren ein Wachstum um den Faktor vier auf mehr als 1 Bio. USD verzeichnet und bietet direkten Zugang zu einer Region mit robustem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum.

Das BB-Segment ist unseres Erachtens gegenwärtig am interessantesten. Dieses Segment ist ein Lichtblick, da Anleger hier an der Aussicht auf sinkende Kreditrisikoprämien partizipieren können, ohne zu hohe Risiken einzugehen. Auf Sektorebene beurteilen wir Immobilien in China weiter positiv; dort haben die größten Entwickler zuletzt höhere Vertragsvolumen verzeichnet – für den Markt ein gutes Zeichen.

Was die Bewertungen betrifft, glauben wir, dass selbst nach der letzten Rally an den asiatischen Kreditmärkten noch immer Spielraum für eine weitere Spread-Verengung ist. Darüber hinaus haben wir ein Muster erkannt, das bis ins Jahr 2007 zurückreicht, als Marktverwerfungen innerhalb von zwölf Monaten nach ihrem Auftreten zu zweistelligen Erträgen in der Anlageklasse geführt haben. Im aktuellen Zyklus wurde Mitte März einen Tiefpunkt erreicht. Wir glauben, dass die Anlageklasse nun auf dem besten Wege zu attraktiven risikobereinigten Renditen ist.

Für asiatische Kreditpapiere bleiben wir mittel- und langfristig sehr positiv gestimmt. Hierbei handelt es sich um eine Anlageklasse, die in den letzten zehn Jahren ein Wachstum um den Faktor vier auf mehr als 1 Bio. USD verzeichnet hat und direkten Zugang zu einer Region mit robustem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum bietet.
 

Was sind die wichtigsten Risikoereignisse, auf die Sie in den nächsten drei bis sechs Monaten achten werden?

Der Anstieg des Ausfallrisikos ist ganz sicher ein Punkt, den wir sehr genau im Auge behalten werden. In diesem Umfeld ist es unumgänglich, den Fokus aus einer Bottom-up-Perspektive auf die Fundamentaldaten zu legen, um herauszufinden, welche Unternehmen am besten in der Lage sein dürften, Ausfälle zu verhindern, und auch plötzliche Schwankungen verkraften können.

Ein anderer wichtiger Punkt, auf den wir achten wollen, ist die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. In der Region Asien-Pazifik stellen wir bereits Unterschiede fest. Die Länder dort haben die ersten Ausbrüche mit unterschiedlich großem Erfolg eingedämmt und entsprechend ihrer jeweiligen Haushaltslage und externen Einflussfaktoren eine Reihe von Förder- und Wiederaufbaupaketen angekündigt. Anleger sollten sich über die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie auf dem Laufenden halten, da Erholungsrallys von Land zu Land jeweils unterschiedlich ablaufen dürften.

Schließlich haben auch die Spannungen zwischen den USA und China wieder zugenommen, die nach dem heftigen Handelsstreit im letzten Jahr in den letzten Monaten etwas in den Hintergrund getreten waren. Wir erwarten, dass es vor der US-Präsidentschaftswahl im November auf absehbare Zeit weiterhin viele negative Schlagzeilen geben könnte.

 

 

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