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Juni 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Die Folgen der Corona-Krise für das Blue-Chip-Universum

Welche Unternehmen gehen kurz- und langfristig als Gewinner aus der Krise hervor, welche als Verlierer?

Die wichtigsten Punkte

  • Die Gesundheitskrise und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Verwerfungen haben die kurzfristigen Gewinnerwartungen vieler US-Unternehmen eingetrübt, auch bei den großen Konzernen.
  • Um die kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Gewinne und Aktienkurse einzuschätzen, hilft eine Einteilung der Unternehmen in drei Kategorien.
  • Einige Blue-Chip-Unternehmen weisen Qualitäten auf, die ihnen trotz kurzfristiger Probleme auf lange Sicht einen entscheidenden Vorsprung verschaffen.


Die Aktienmärkte haben sich von den pandemiebedingten Tiefstständen, auf die sie im März gefallen waren, wieder erholt und befinden sich mittlerweile in relativ robuster Verfassung. Trotz der jüngsten Rally bleiben wir jedoch vorsichtig und beobachten, wie lange es braucht, bis die Konjunktur wieder in Schwung kommt. Unseres Erachtens könnte sich die Corona-Krise noch längere Zeit spürbar auf die Wirtschaft auswirken, sodass eine Erholung möglicherweise länger auf sich warten lässt, als es die meisten Marktteilnehmer erwarten. Daher dürfte das Umfeld noch einige Zeit unsicher bleiben.

Unabhängig davon halten wir an unserem Investmentansatz und unserem Anlageschwerpunkt fest. Dabei konzentrieren wir uns weiterhin auf erstklassige Unternehmen, die längerfristig in der Lage sind, ihre Gewinne und Cashflows zu steigern.

... Wir halten an unserem Investmentansatz und unserem Anlageschwerpunkt fest.

Angesichts der extremen wirtschaftlichen Verwerfungen haben sich die kurzfristigen Gewinnprognosen vieler Unternehmen verschlechtert. Um die längerfristigen Aussichten und Ertragspotenziale besser zu verstehen, unterteilen wir die Unternehmen in unserem Anlageuniversum in drei Kategorien.

  • Kategorie 1, langfristige Verlierer: Unternehmen, die durch die Gesundheitskrise und die schweren wirtschaftlichen Verwerfungen nicht nur auf kurze, sondern auch auf lange Sicht unter Druck geraten dürften
  • Kategorie 2, langfristige Gewinner: Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie zwar kurzfristig unter Druck geraten, auf längere Sicht aber von den Entwicklungen profitieren und möglicherweise sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen
  • Kategorie 3, kurz- und langfristige Gewinner: Eine relativ kleine Gruppe von Unternehmen, denen das aktuelle Umfeld sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht zugutekommen dürfte.
     

Qualitätsvorsprünge erkennen

Die Unternehmen, in die wir investieren, zeichnen sich durch verschiedene Nachhaltigkeitsmerkmale aus, die ihnen sowohl kurz- als auch langfristig einen entscheidenden Vorsprung verschaffen. Beispiele dafür sind eine führende Marktstellung, eine solide Preismacht bei Lieferanten und Kunden sowie die Bedienung von Branchen, die sich durch hohe Eintrittsbarrieren und eine geringe Verfügbarkeit von Ersatzprodukten auszeichnen. Ebenso wichtig ist eine kompetente Geschäftsführung, die eine effektive und effiziente Kapitalallokation gewährleistet. Diese Qualitätsmerkmale sind für die Unternehmen der Kategorie 2 besonders wichtig. Obwohl die Gewinne kurzfristig gesunken sind und die Aktienkurse in einigen Fällen stark nachgegeben haben, glauben wir, dass sich Unternehmen mit diesen Merkmalen nicht nur erholen, sondern sich auch längerfristig hervorragend entwickeln können.

Zudem könnten Google und Facebook auf längere Sicht davon profitieren, dass klassische Werbeanzeigen bei Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen an Stellenwert verlieren.

Lassen Sie uns ein paar Beispiele für solche «Allwetteraktien» der Kategorien 2 und 3 betrachten – und welche Merkmale sie langfristig interessant machen.
 

Kurzfristig unter Druck, langfristig mit Rückenwind

Paradebeispiele für Unternehmen der Kategorie 2 sind zwei Schwergewichte in den Sektoren Technologie und Verbraucherdienste: Alphabet (Google) und Facebook. Auch wenn beide Unternehmen und ihre Aktien im März durch die Corona-Krise unter Druck geraten sind, glauben wir, dass ihnen das aktuelle Umfeld letztlich zugutekommen wird.

Google und Facebook erzielen den Großteil ihrer Umsätze aus digitalen Werbeanzeigen, die zuletzt massiv eingebrochen sind, da sie sich in Krisenzeiten schnell abschalten lassen. Das unterscheidet diese Art Werbung beispielsweise von Fernsehspots, die normalerweise an längere Verträge und Vorkasse gebunden sind.

Was aber den Ausschlag dafür gibt, dass wir den Bereich digitale Werbung auf lange Sicht optimistisch einschätzen, ist die Tatsache, dass sich Online-Anzeigen auch schnell wieder hochfahren lassen. Zudem sind die damit generierten Einnahmen für die Unternehmen gut kalkulierbar, sodass sich die entsprechenden Ausgaben relativ schnell amortisieren. Wir glauben daher, dass die Unternehmen wieder digitale Anzeigen schalten werden, sobald die entsprechenden Budgets erneut verfügbar sind.

Zudem könnten Google und Facebook auf längere Sicht davon profitieren, dass klassische Werbeanzeigen bei Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen an Stellenwert verlieren. Der verstärkte Trend hin zu Online-Diensten, der möglicherweise in anderen Marktsegmenten (z. B. bei Streaming-Plattformen) noch ausgeprägter ist, macht sich zunehmend auch im Werbebereich sichtbar. Viele Unternehmen hatten ihre Budgets für TV-Werbung schon vor der Krise deutlich gekürzt. Da wegen der Corona-Beschränkungen seit einiger Zeit kaum neue TV-Inhalte (und vor allem keine Live-Sportübertragungen) mehr produziert werden, versuchen die Unternehmen verstärkt, ihre Fernsehwerbung auf digitale Kanäle umzulenken, wovon unter anderem Google und Facebook profitieren. Wenn aber der Wechsel einmal vollzogen ist, kehrt nachweislich nur ein geringer Prozentsatz zu den klassischen Anbietern zurück.
 

Kurzfristige und potenziell langfristige Gewinner

Als Anleger investieren wir natürlich am liebsten in Unternehmen der Kategorie 3. Der Knackpunkt aber ist, dass es nur wenige davon gibt. Ein Paradebeispiel ist Amazon. Seit Ausbruch der Krise und der Schließung des gesamten stationären Einzelhandels (mit Ausnahme der systemrelevanten Geschäfte) verzeichnete der Online-Händler ein erhebliches Umsatzwachstum. Dieses dürfte zwar auf kurze Sicht die Margen belasten, da das Unternehmen auf den abrupten Nachfrageschub nicht vorbereitet war. Dennoch gehen wir davon aus, dass die entsprechenden Mehrkosten wieder sinken und die Rentabilität entsprechend wieder steigt, da Amazon offenbar in der Lage ist, seine Kapazitäten schnell zu erweitern. Letztlich ist es dem Unternehmen nach Ausbruch der Krise in lediglich zweieinhalb Monaten gelungen, das Personal um 175.000 neue Mitarbeiter aufzustocken.

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Stand: 18. Mai 2020 

Auch wenn die Umsätze auf längere Sicht nicht mehr so stark steigen dürften wie in den letzten Monaten, haben sich in der Corona-Pandemie einige neue Konsummuster geprägt, die durchaus nachhaltig sein könnten. Dazu zählt, dass viele Verbraucher in der Krise den Online-Handel (z. B. über Amazon) neu für sich entdeckt oder ihre Internet-Einkäufe auf weitere Produktkategorien ausgeweitet haben. Wir glauben, dass sich dieser Trend fortsetzen und Amazon in einige neue Marktkategorien wie Lebensmittel und Verbrauchsmaterialien vordringen wird.

Zuletzt kamen immer wieder Bedenken auf, dass wachstumsstarke Unternehmen, vor allem im Technologiesektor, zu hoch bewertet sind. Bemerkenswerterweise haben wachstumsorientierte Aktien ihre deutliche Outperformance gegenüber wertorientierten und defensiven Titeln in der Krise fortgesetzt.

So scheinen bestimmte Technologiewerte im Vergleich zum Gesamtmarkt derzeit womöglich teuer. Als Investor besteht unsere Aufgabe darin, diese Unternehmen detailliert zu analysieren. Dabei liegt unser Fokus darauf, nicht nur herausragende Qualitätsmerkmale oder Vorteile, sondern auch potenzielle Einschränkungen zu erkennen und den wahren Marktwert der Unternehmen auf der Grundlage interner Analysen einzuschätzen. Nehmen wir Amazon als Beispiel. Amazon ist im Einzelhandel der dominierende Anbieter und hat das Potenzial, auch andere wichtige Segmente an sich zu reißen. Zudem hat das Unternehmen über andere Kerngeschäftsbereiche wie Amazon Web Services und die Werbesparte zusätzliche, diversifizierte Umsatzströme geschaffen, die hohe Cashflows generieren. Unseres Erachtens bietet Amazon aufgrund der Kombination dieser Qualitätsmerkmale weiterhin attraktive Wertpotenziale.
 

Schlussbetrachtungen

Es gibt keine Zauberformel, mit der sich erstklassige, nachhaltig wachsende Unternehmen aufspüren lassen. Vielmehr muss man hart arbeiten, jeden Stein zweimal umdrehen, detailliert recherchieren und präzise analysieren. In extremen Zeiten wie diesen kommt es entscheidend darauf an, mit den Geschäftsleitungen ständig in Kontakt zu bleiben, kritische Fragen zu stellen und die eigenen Anlagethesen immer wieder zu überprüfen, um letztlich verlässlich beurteilen zu können, ob die langfristige Strategie des Unternehmens Erfolg hat.

Während der Konsens davon ausgeht, dass sich die US-Wirtschaft relativ schnell V-förmig erholt, rechnen wir eher mit einer längeren, U-förmigen Wiederbelebung. Wir gehen davon aus, dass viele Unternehmen ihre Gewinnprognosen nach unten korrigieren müssen, weshalb wir den kurzfristigen Ausblick eher vorsichtig einschätzen, zumal der Aktienmarkt zuletzt wieder stark zugelegt hat. Nichtsdestotrotz sehen wir bei US-Aktien insgesamt solide Renditechancen, insbesondere auf Sicht der nächsten 18 bis 24 Monate.
 

Was als nächstes wichtig ist

Ein Grundsatz unseres Investmentteams, den wir immer wieder betonen, lautet: «Die Perfektion sollte nicht zum Feind des Guten werden». Selbst einige der Unternehmen in unserem Portfolio, von denen wir am stärksten überzeugt sind, werden ihre Gewinnprognosen aufgrund des Lockdowns und der eingeschränkten Geschäftsmöglichkeiten voraussichtlich herunterschrauben müssen. Aufgrund ihrer herausragenden Qualitätsmerkmale sind wir jedoch davon überzeugt, dass sie sich bald erholen und nach wie vor langfristig in der Lage sind, steigende Gewinne und Cashflows zu generieren.

Wichtige Informationen

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