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Juni 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Leitzinsen bleiben weltweit im Lockdown

Wie die Zinsen noch längere Zeit auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau verharren könnten

Überblick

  • Die Zentralbanken werden wahrscheinlich noch einige Zeit vorsichtig bleiben und das kurze Ende der Renditekurve von Staatsanleihen der Industrieländer auf dem aktuellen Niveau verankern.
  • Staatsanleihen mit längerer Laufzeit könnten größere Kursschwankungen verzeichnen, da sie den Anlegern als bevorzugtes Instrument für die Darstellung von Durationsprofilen dienen.
  • Die Volatilität langlaufender Staatsanleihen ist ein Risiko für Unternehmensanleihen.


Als Reaktion auf einen der größten wirtschaftlichen Schocks der letzten 50 Jahre haben die Zentralbanken und Regierungen die Grenzen der Geld- und Fiskalpolitik neu ausgelotet. Die Auswirkungen dieser Entwicklung werden an den Anleihemärkten noch einige Zeit zu spüren sein, auch wenn das Schlimmste der Krise vorerst überstanden scheint. Bei seinen letzten Sitzungen zur Anlagepolitik hat das Investmentteam erörtert, welches neue Umfeld durch die allmähliche Belebung der Weltwirtschaft an den Anleihemärkten entsteht.
 

 

Kurzfristige Zinsen dürften auf dem aktuellen Niveau verharren

Die Weltwirtschaft scheint zwar allmählich wieder in Fahrt zu kommen, doch auf eine rasche Erholung nach dem Abschwung besteht kaum noch Hoffnung. „Eine typische Rezession dauert in der Regel vier bis sechs Quartale. Doch die vollständige Erholung von diesem tiefen Einbruch wird sich wahrscheinlich als holpriger und langwieriger herausstellen, als die meisten derzeit erwarten“, erläutert Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams.

Aus diesem Grund dürften die Zentralbanken auf Nummer sicher gehen und sich gründlich überlegen, ob sie die krisenbedingt niedrigen Leitzinsen wieder erhöhen oder geldpolitische Lockerungsprogramme einschränken. „Die Zentralbanken werden alles Notwendige tun, um in dieser unsicheren Zeit für Stabilität zu sorgen“, glaubt Quentin Fitzsimmons.

Wie üblich wird dabei die US-Notenbank Fed im Blickpunkt stehen, die weiter den Ton angibt. „Es ist fraglich, ob die Europäische Zentralbank, die Reserve Bank of Australia oder die Bank of England Maßnahmen zur Normalisierung des Zinsniveaus ergreift, bevor die Fed dies tut“, so Fitzsimmons. „Die Zentralbanken wollen zunächst sehen, welchen geldpolitischen Kurs die Fed verfolgt, und die bisherigen Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die US-Zinssätze zumindest in den nächsten zwei Jahren nicht ändern dürften.“

Diese moderate Haltung ist eine klare Botschaft an die Anleihemärkte. „Den Leitzinsen wurden praktisch weltweit Fesseln angelegt.“, erläutert Quentin Fitzsimmons. „Das dürfte kurzlaufende Staatsanleihen für die absehbare Zukunft auf dem aktuellen Niveau verankern.“

Länder, in denen das kurze Ende der Renditekurve einen leicht steigenden Verlauf aufweist, erscheinen nach Ansicht des Investmentteams in einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen attraktiv. Die Anleihemärkte von Ländern wie Indien, China und Südkorea bieten in dieser Hinsicht nach wie vor besonders interessante Anlagechancen.
 

Anleihen mit längeren Laufzeiten dürften sich volatil entwickeln

Bei langlaufenden Staatsanleihen sind jedoch stärkere Kursschwankungen zu erwarten. Dazu Quentin Fitzsimmons: „Auch wenn die globalen Zentralbanken die Zinsen wohl unverändert lassen werden, erhöht sich der fiskalpolitische Druck, da fast alle Regierungen angesichts der Pandemie umfangreiche Konjunkturprogramme aufgelegt haben. Dies könnte zu einer massiven Emission langlaufender Anleihen führen, mit möglichen Folgewirkungen für die Angebots- und Nachfragedynamik dieses Kurvensegments. Dadurch entsteht Potenzial für kurzfristige Kursverwerfungen.”

Die gestiegene Erwartung der Marktteilnehmer, dass die Fed – wie zuvor Japan im Jahr 2016 – zu einer Kontrolle der Zinskurve übergeht, könnte die Volatilität längerlaufender Anleihen ebenfalls erhöhen. Die japanische Zentralbank strebte eine Kontrolle der Renditen kurz- und mittelfristiger Anleihen an, während sie bei längerfristigen japanischen Staatsanleihen, zum Beispiel 30-jährigen Papieren, eine größere Schwankungsbreite tolerierte. Australien verfolgt seit Kurzem eine ähnliche Politik. „Die Kontrolle der Zinskurve ist im Wesentlichen die Absichtserklärung einer Zentralbank, sich von der traditionellen Geldpolitik abzuwenden. Sie sollte jedoch nicht als automatische Kursstabilisierung für langlaufende Anleihen verstanden werden“, erklärt Quentin Fitzsimmons.

Vor diesem Hintergrund könnten die 30-jährigen Anleihen verschiedener Industrieländer, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland, durch eine Neuausrichtung der Durationsposition künftig stärker beeinflusst werden. Denn wir erwarten, dass die Anleger langlaufende Anleihen zunehmend als bevorzugtes Instrument verwenden, um ihre Einschätzung des absoluten Renditeniveaus auszudrücken und das Durationsprofil ihrer festverzinslichen Portfolios zu ändern.
 

Volatilität langlaufender Staatsanleihen als Risiko für Unternehmensanleihen

Die größeren Kursschwankungen langlaufender Staatsanleihen könnten auch Unternehmensanleihen belasten. In den vergangenen zwei Monaten begaben die Unternehmen wieder verstärkt Anleihen am Primärmarkt, um neue Barmittel zu beschaffen. Zur Deckung ihres Refinanzierungsbedarfs entschieden sich einige Emittenten dabei für den Verkauf von langlaufenden Anleihen.

Bisher stieß das Angebot zwar auf eine starke Nachfrage, doch längere Durationspositionen bergen Risiken, die die Marktteilnehmer möglicherweise nicht vollständig verstanden haben. „Anlagen in Unternehmensanleihen mit langen Laufzeiten sind mit Risiken verbunden“, so Fitzsimmons. „Die Kursentwicklung bei Kern-Staatsanleihen Ende Mai und Anfang Juni, als die Renditekurven rasch einen steileren Verlauf annahmen, haben einmal mehr gezeigt, dass die Kurse langlaufender Unternehmensanleihen nicht nur von den Kreditspreads, sondern auch von ihrer Zinsduration bestimmt werden.“

 

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