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April 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Die US-Notenbank: Zentralbank der Welt

Warum die Maßnahmen der Fed die globalen Finanzmärkte beeinflussen

Die wichtigsten Punkte

  • Die aggressiven Maßnahmen der US-Notenbank haben entscheidenden Einfluss auf die Politik anderer Zentralbanken.
  • Die US-Zinsen dürften längere Zeit niedrig bleiben und nur geringfügig schwanken.
  • Die Krise unterstreicht die strategische Bedeutung der Fed für den Rest der Welt.


In den letzten Monaten wurden die Finanzmärkte von vier verschiedenen, aber miteinander verbundenen Krisen gleichzeitig erschüttert: einer Gesundheits-, einer Wirtschafts-, einer Liquidität- und einer Energiekrise. Die großen Zentralbanken reagierten auf diese außergewöhnlichen Ereignisse mit umfassenden geldpolitischen Lockerungsprogrammen. Federführend war dabei die US-Notenbank Fed, die ihr Instrumentarium zur Krisenbekämpfung stärker ausschöpfte als je zuvor. Bei unseren letzten Sitzungen zur Anlagepolitik erörterte das Investmentteam die Maßnahmen der Fed und ihre Auswirkungen auf das breite Spektrum der Finanzmärkte.
 

Die Fed geht weit über das gewohnte Maß hinaus

Die US-Notenbank leitete noch weitreichendere Maßnahmen ein als während der globalen Finanzkrise und gab neben Zinssenkungen mehrere Programme bekannt, um das reibungslose Funktionieren der Finanzmärkte zu unterstützen. Diese Programme beinhalten erstmals auch Pläne für den Ankauf von Investment-Grade-Unternehmensanleihen und einigen Arten von Hochzinsanleihen. „Das Handeln der Fed ist beispiellos und geht weit über den bisher üblichen Rahmen hinaus“, erläutert Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income.

Die Maßnahmen zeigen bereits positive Wirkung. Nach den traumatischen Ereignissen vom März, als der gesamte Anleihemarkt zum Erliegen kam und die enorme Nachfrage nach Barmitteln sogar das liquideste Marktsegment, den Handel mit US-Treasuries, erheblich belastete, haben sich die Märkte dank der Unterstützung durch die US-Notenbank jetzt stabilisiert. „Die aggressiven Maßnahmen der US-Notenbank veranlassen andere Akteure, gleichzuziehen“, so Husain. „Fast alle wichtigen Zentralbanken haben ihre eigenen Programme zur geldpolitischen Lockerung aufgelegt, doch die Fed gibt eindeutig die Richtung vor.“
 

U.S. Treasuries bleiben der beste „sichere Hafen“ an den Anleihemärkten

Angesichts der quantitativen Lockerung (QE) und eines Zinsniveaus nahe null ist die Treasury-Renditekurve jetzt gut unterstützt, und die Renditen 2-jähriger Anleihen ist effektiv bei rund 0,25% verankert. „Das QE-Programm der Fed hat die Zinsvolatilität praktisch beseitigt und die US-Zinsen stabilisiert“, erläutert Husain.

Dieses Umfeld kann noch einige Zeit anhalten. Die Erholung von einer der vermutlich schwersten Rezessionen der jüngeren Vergangenheit dürfte langsam verlaufen und birgt das Risiko von Rückschlägen. An den Märkten für Risikoanlagen könnte dies weitere Volatilitätsschübe mit starken Kursschwankungen zur Folge haben. Dank ihres Status als „sicherer Hafen“ an den globalen Anleihemärkten, den die Fed mit ihren jüngsten Stützungsmaßnahmen untermauert hat, dürften US-Treasuries von diesem Umfeld profitieren.

„Es hat keinen Sinn, sich gegen die Zentralbanken zu stellen“, erklärt Husain. „Für die weitere Entwicklung bestehen nach wie vor zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Bis mehr Klarheit herrscht, könnte es daher sinnvoll sein, Durationspositionen in US-Treasuries und an anderen erstklassigen Staatsanleihemärkten mit moderat steilem Kurvenverlauf zu halten, beispielsweise in Australien, Kanada und Israel.“

Längerfristig gilt es jedoch, auf die Risiken zu achten. In der Vergangenheit war die Fed stets bestrebt, die Zinsen von einem Niveau von null aus wieder anzuheben und ihre Bilanz abzubauen, sobald sich das Umfeld normalisierte. „Wenn dieser Punkt erreicht ist, kann die Volatilität spektakulär ansteigen“, sagt Husain. 
 

Die globale Bedeutung der Fed wächst

Während der Finanzkrise von 2008 eröffnete die US-Notenbank Swap-Linien mit mehreren Ländern, um das weltweite US-Dollar-Angebot zu unterstützen. Mitte März legte die Fed dieses Programm rasch wieder auf, um den hohen Barmittelbedarf bei kleineren Zentralbanken und Nicht-US-Kreditnehmern des Industriesektors zu decken.

Um den Druck durch die Finanzierungsengpässe außerhalb der USA weiter zu lindern, eröffnete die US-Notenbank Ende März zudem eine neue Repo-Fazilität, die Foreign and International Monetary Authorities (FIMA) Repo Facility. Dieses Programm ermöglicht bestimmten ausländischen Zentralbanken und internationalen Währungsbehörden, sich für einen Teil ihrer Treasury-Bestände US-Dollar zu leihen. Nach allgemeiner Auffassung strebt die US-Notenbank damit an, die Volatilität von Treasuries weiter zu verringern.

„Der Fed ist klar, dass sich die Eröffnung von Repo-Fazilitäten für ausländische Zentralbanken mit Bedarf an US-Dollar gut dazu eignet, Zwangsverkäufe von Treasuries zu begrenzen“, erklärt Arif Husain. „Zudem trägt die neue Fazilität dazu bei, den US-Dollar zu stabilisieren“, fügt er hinzu.

Die aktuelle Krise verstärkt die Reputation der Fed als Zentralbank der Welt (ob sie diesen Status angestrebt hat oder ob er ihr aufgezwungen wurde, bleibt jedoch unklar). Vorerst gibt die US-Notenbank weiter den Ton an – und das Risiko, dass sie möglicherweise erneut eingreifen und drastische Maßnahmen ergreifen muss, ist höher als je zuvor.

 

 

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Adam Marden Multi-Asset Investment Analyst

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