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Juni 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

China wird bei der Wahl 2020 erneut zur Zielscheibe

Spannungen in wichtigen politischen Fragen nehmen in Zeiten der Pandemie zu

Nach dem Ausbruch des Coronavirus gefährden die neu entfachten Spannungen zwischen den USA und China die zarte Entspannung, die die beiden Länder mit dem dürftigen Phase-1-Handelsabkommen erzielt haben – das eine weitere Eskalation des Zollkonflikts verhinderte und weitergehenden Reformen von Chinas Marktpraktiken den Weg ebnete. Aufgrund der wirtschaftlichen Folgen von COVID‑19, der durch das Coronavirus verursachten Erkrankung, kann die Trump-Administration im Wahlkampf nicht mehr auf das Wirtschaftswachstum und die rekordtiefe Arbeitslosigkeit als Trumpfkarte setzen. Doch das Weiße Haus und die Republikaner haben schon eine effektive neue politische Zielscheibe ausgemacht: China.

Die Trump-Administration betrachtet China schon seit Beginn ihrer Amtszeit als „strategischen Gegner“, und die Partei hält einen „harten Kurs gegen China“ samt entsprechender Rhetorik nun für eine Schlüsselstrategie, um die Wähler dazu zu bewegen, dem Präsidenten erneut ihre Stimme zu geben. Folglich befassen sich die Anleger nun erneut mit der Frage, wie sicher das Phase-1-Handelsabkommen ist – und fragen sich, welche anderen Regelungen als nächstes an der Reihe sein könnten.
 

Mehrfrontenkrieg in einer Welt des zunehmenden Protektionismus

Die Trump-Administration ist kürzlich in drei wichtigen Politikbereichen, die mit China zu tun haben, aktiv geworden: kritische Technologien, nationale Sicherheit und wirtschaftlicher Protektionismus.

Der Bereich der kritischen Technologien, der das Verhältnis zwischen den USA und China schon seit langer Zeit immer wieder belastet, erfährt wieder vermehrt Aufmerksamkeit. Angesichts des Wettbewerbs bei modernen Technologien wie 5G verfolgen die USA eine Politik, die sowohl eine industrielle Dominanz der nächsten Generation schützen, fördern und unterstützen als auch wichtige Fragen der nationalen  Sicherheit anpacken wird.

…die neu entfachten Spannungen zwischen den USA und China gefährden die zarte Entspannung, die die beiden Länder mit dem dürftigen Phase-1-Handelsabkommen erzielt haben…

Das US-Handelsministerium hat kürzlich Vorschriften und Regelungen eingeführt, die die Lieferketten für Technologien wie Halbleiter vor einer Einmischung und Einflussnahme des chinesischen Staates schützen sollen. Diese Vorschriften und Regelungen – in Verbindung mit strengeren Beschränkungen zum Nachteil von Chinas Telekommunikationsriesen Huawei – sprechen eine deutliche Sprache: Die USA werden weiterhin Maßnahmen umsetzen, die dem Land einen bedeutenden technologischen Vorteil und Vorsprung gegenüber China sichern sollen.

Unabhängig davon, welche Partei im Jahr 2021 im Weißen Haus die Kontrolle hat, sollten wir nicht erwarten, dass sich an der zunehmenden Verschlechterung des Verhältnisses zwischen den USA und China etwas ändert…

Der US-Kongress hat unterdessen mehrere Gesetzentwürfe vorgelegt, die mit Chinas anfänglichem Umgang mit dem Coronavirus-Ausbruch und dem Vorgehen in Hongkong zu tun haben. Dazu zählen ein Gesetzentwurf über Entschädigungen und Sanktionen zulasten chinesischer Funktionäre im Zusammenhang mit der Reaktion auf das Coronavirus, ein Gesetzentwurf, der Chinas Staatenimmunität gegen Klagen aufhebt, sowie geplante neue Gesetze, die sich mit der Aushöhlung der Autonomie in Hongkong und dem Schutz für Tibet befassen. Auch wenn nur wenige davon wirklich Gesetz werden, deuten diese Entwürfe doch auf einen klaren Trend in der Gesetzgebung hin, der auch nach 2020 andauern dürfte.
 

„Rückholung“ von Lieferketten nimmt Fahrt auf

Das Coronavirus hat außerdem die Diskussion über die „Rückholung“ von Lieferketten, also ihre Rückverlegung ins eigene Land, neu entfacht, angefangen mit Produkten, die im Kampf gegen COVID-19 benötigt werden. Der US-Kongress und das Weiße Haus arbeiten aktiv an Anreizmaßnahmen, die Hersteller von persönlicher Schutzausrüstung und anderen medizinischen Produkten dazu ermuntern sollen, die Produktion wieder in die USA zurückzuverlegen. Dies gilt auch für einen guten Teil der Industrieproduktion.

Eine solche Rückholung ganzer Sektoren wird jahrzehntelange ununterbrochene staatliche Unterstützung und eine strategische Planung der Unternehmen erfordern – ungeachtet der Branche. Gleichwohl gehen wir davon aus, dass diese Diskussion auch unter der nächsten Regierung weiterhin geführt wird – gleich, welche Partei das Weiße Haus kontrolliert.
 

Maßnahmen könnten zum Delisting einiger Unternehmen führen

Die USA haben im Konflikt mit China auch die Finanzmärkte als Schlachtfeld identifiziert. Die Gründe sind sowohl in der nationalen Sicherheit als auch in der Offenheit der Märkte zu suchen. Seit Jahren spricht das Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) von „Zugangsproblemen in Bezug auf China“, die es dieser Stelle schwierig bis unmöglich machen, für Prüfungen und Untersuchungen „uneingeschränkten, rechtzeitigen Zugang“ zu staatlichen chinesischen Unternehmen zu erhalten.

Um die Möglichkeiten der USA zur Prüfung dieser Unternehmen zu verbessern, hat der Senat den Holding Foreign Companies Accountable Act (HFCA) verabschiedet. Dieser verlangt von staatlichen Unternehmen offenzulegen, ob sie „im Besitz oder unter der Kontrolle einer ausländischen Regierung sind“, wie zum Beispiel der Kommunistischen Partei Chinas. Ein Unternehmen würde dann drei Jahre Zeit haben, um den Prüfungsvorschriften des PCAOB zu entsprechen – oder das Ende der Notierung an US-Börsen riskieren.

Nach monatelangen Beratungen über die Frage, ob staatliche US-Pensionsfonds weiter in chinesische Aktien investieren dürfen sollten, hat der US-Senat den HFCA einstimmig verabschiedet. Nun muss er noch vom US-Repräsentantenhaus geprüft werden. Die Zukunft dieser Maßnahme ist ungewiss, jedoch sind führende Mitglieder des US-Kongresses entschlossen, die regulatorischen Risiken für chinesische Unternehmen zu erhöhen.
 

Weitere Probleme in Sicht

Gleich, welche Partei im Jahr 2021 im Weißen Haus die Kontrolle hat, sollten wir nicht erwarten, dass sich an der zunehmenden Verschlechterung des Verhältnisses zwischen den USA und China etwas ändert, zumal auch China einen härteren Kurs fährt, um seine Interessen zu schützen.

Der Konfrontationskurs der US-Regierung gegenüber China ist zwar vielleicht zum großen Teil durch Chinas Vorgehen im Zusammenhang mit dem Coronavirus bedingt, doch die massiven Probleme, die wieder zu Tage getreten sind, werden nicht schnell verschwinden. Tatsächlich könnten sie die unvermeidbare nächste Runde von – diplomatischen oder wirtschaftspolitischen – Verhandlungen zwischen den Regierungen der USA und Chinas beherrschen.

 

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Katie Deal

Katie Deal Associate Analyst

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