MULTI-ASSET STRATEGY

Keine Zeit für mutige Anleger

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA

Wichtigste Punkte

  • Nach einem vielversprechenden Start in das Jahr 2019 senden die Finanzmärkte inzwischen uneinheitliche Signale zur weltweiten Konjunkturentwicklung.
  • Während die Anleihemärkte – insbesondere die Märkte für Staatsanleihen – angesichts des schwächeren Wachstums von Pessimismus geprägt sind, legen die Aktienmärkte weiter zu.
  • Anleger sollten im aktuellen Marktumfeld unnötige Risiken vermeiden und stattdessen bei der Asset-Allokation einem umsichtigen und selektiven Ansatz folgen.

Uneinheitliche Signale der Märkte

Im aktuellen Umfeld sollten Anleger auf gewagte Entscheidungen verzichten. Im ersten Halbjahr 2019 waren die Märkte von einer soliden Aufwärtsdynamik geprägt, bei der alle wichtigen Anlageklassen eine starke Performance erzielten. Dabei legten die Aktienmärkte ebenso zu wie die Märkte für konservative festverzinsliche Anlagen wie Staatsanleihen. Die Zentralbanken gingen zu einer expansiveren Geldpolitik über, im Handelskonflikt zwischen den USA und China zeichnete sich eine mögliche Lösung ab und die Aktienbewertungen waren nach der Verkaufswelle der letzten Monate des Jahres 2018 attraktiver.
 

Dennoch liefern die Finanzmärkte inzwischen uneinheitliche Signale zur Verfassung der Wirtschaft. An den Aktienmärkten ist die Stimmung seit Jahresbeginn weitgehend zuversichtlich, und insbesondere der S&P 500 Index erreichte neue Höchststände. An den Märkten für Staatsanleihen zeigen sich die Anleger dagegen deutlich pessimistischer. Die Renditen sind gesunken und haben in einigen Marktsegmenten erstmals ein negatives Niveau erreicht, während sie bei anderen Papieren noch tiefer ins Minus gerutscht sind.
 

Angesichts dieser widersprüchlichen Signale halten wir es im Moment nicht für angebracht, hohe Risiken einzugehen.
 

Was scheint derzeit am Markt vorzugehen?


In einem „Goldlöckchen“-Szenario – also einer nahezu perfekten Kombination aus niedrigen Zinsen, einem moderaten Wirtschaftswachstum und mäßiger Inflation – haben die Aktienmärkte der Industrieländer in den letzten zehn Jahren überwiegend stabile positive Erträge erzielt. Aufgrund der niedrigen Anleiherenditen hatten die Anleger auf der Suche nach Rendite kaum eine andere Wahl, als in risikoreichere Marktsegmente zu wechseln. Diese Tendenz hat zu einem anhaltenden Bullenmarkt beigetragen, nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch an den Märkten für Hochzins- und Schwellenländeranleihen.

Bis zu einem gewissen Grad ist auch das „Financial Engineering“ der Zentralbanken ein wichtiger Faktor, der den aktuellen Zyklus am Leben erhält. Die niedrigen Zinsen und die umfangreichen Anleihekaufprogramme der Zentralbanken, die unter dem Begriff quantitative Lockerung (QE) bekannt sind, bieten Risikoanlagen seit Jahren erhebliche Unterstützung und verhelfen den Aktienmärkten zu immer neuen Höchstständen.
 

Problematisch ist jedoch die Besorgnis der konservativen Anleiheanleger, die zunehmend davon ausgehen, dass der Markt- und Konjunkturzyklus eine Spätphase erreicht hat und das globale Wachstum allmählich nachlässt. Wenngleich für die meisten Volkswirtschaften kurzfristig keine Rezession erwartet wird, lässt sich nicht leugnen, dass das Rezessionsrisiko wächst.
 

Als die Renditekurve von US-Staatsanleihen Anfang des Jahres einen inversen Verlauf annahm, befürchteten viele Marktteilnehmer eine unmittelbar bevorstehende Rezession. Eine inverse Renditekurve liegt vor, wenn langlaufende Staatsanleihen niedrigere Renditen bieten als Anleihen mit kurzer Laufzeit. Die Anleiherenditen, die sich entgegengesetzt zu den Anleihekursen bewegen, sind für Papiere mit längerer Laufzeit in der Regel höher, um die Anleger für das höhere Zins- und Inflationsrisiko zu entschädigen. Diese Renditedifferenz wird oft als Laufzeitprämie bezeichnet. Da ein inverser Verlauf der Renditekurve in der Vergangenheit meist im Vorfeld einer Rezession auftrat, gilt dieses Phänomen als möglicher Vorbote einer drohenden Konjunkturschwäche.


An den Anleihemärkten sind die Anleger eher pessimistisch, doch in der aktuellen Situation deutet die Renditekurve nicht notwendigerweise auf eine bevorstehende Rezession hin. Unserer Einschätzung nach ist das aktuelle Szenario nicht auf zu aggressive Zinserhöhungen zurückzuführen. Als Ursachen betrachten wir vielmehr die Entscheidung der US-Notenbank (Fed), die Zinsen nicht weiter anzuheben, sowie die niedrige Inflation, das geringe Wirtschaftswachstum und den Abwärtsdruck auf die Anleiherenditen nach mehreren Jahren QE.
 

Zudem halten wir es für schwierig, den genauen Zeitpunkt einer Rezession vorherzusagen. Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) – ein Maß für die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe – zeigen weltweit einen deutlichen Rückgang an, doch laut den meisten Wirtschaftsmodellen befindet sich die Konjunktur noch in der Zyklusmitte. Somit ist die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten gering.


EINKAUFSMANAGERINDIZES 2015-2019 (SEIT JAHRESBEGINN)

 

Quellen: Haver Analytics/[JP Morgan/IHS Market, Business Roundtable, Federal Reserve Bank of New York]

Unsere Positionierung

Wir befinden uns in einem Marktumfeld, in dem sich das globale Wirtschaftswachstum allmählich abschwächt, während die Zentralbanken der Industrieländer die Zinsen wieder senken. Über die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten besteht Unsicherheit. Nach einem starken Jahresauftakt sind wir in Aktien leicht untergewichtet. In diesem Umfeld besteht noch Spielraum für Kurssteigerungen, doch das hohe Bewertungsniveau führt zu erhöhten Verlustrisiken.
 

Im Anleihebereich weisen Staatsanleihen eine geringe Korrelation mit Aktienanlagen auf und bieten daher ein Sicherheitspolster gegen Aktienrisiken. Doch da Anleihen bereits sehr niedrige Renditen bieten, ist ihr Kurspotenzial derzeit begrenzt. Dennoch halten wir ein Engagement in konservativen Anlagen wie Staatsanleihen für wichtig, um ein Portfolio zu diversifizieren und die Risiken im Gleichgewicht zu halten.


Alles in allem sind wir der Auffassung, dass der Zeitpunkt für strategische Anlagen günstig ist. An den Aktienmärkten sehen wir bessere Anlagechancen im Growth- als im Value-Bereich, und auch die Schwellenländer beurteilen wir positiv. An den Anleihemärkten bieten Schwellenländer- und Hochzinsanleihen selektiven Anlegern, die ein höheres Renditeniveau anstreben, attraktive Möglichkeiten.
 

Ein aktives Management – durch taktische Änderungen der Asset-Allokation und die gezielte Auswahl von Wertpapieren in jeder Anlageklasse – halten wir derzeit für besonders wichtig, da die bestehende Unsicherheit hohe Risiken birgt. Kompetenten aktiven Managern bietet diese Unsicherheit Chancen, Wertsteigerungen zu erzielen.


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