Ist die nächste Rezession vermeidbar?

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA

Wichtigste Punkte

  • Vor dem Hintergrund der „neuen Normalität“ mit niedrigen Zinsen, freundlichem Inflationsumfeld und geringem, aber stabilem Wachstum haben die Finanzmärkte eine gute Performance gezeigt.
  • Der aktuelle Konjunkturzyklus ist der längste in der Geschichte. Einige Anleger befürchten deshalb bereits, dass eine Rezession unmittelbar bevorstehen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dürfte jedoch gering sein, dass es in den nächsten zwölf Monaten dazu kommt.
  • Angesichts der ungewissen Richtung der Märkte sind wir in Aktien leicht untergewichtet und halten bei Risikoassets nur ausgewählte höher rentierliche Papiere.

Ein Marktzyklus, der in die Jahre kommt

Seit einigen Jahren bewegen sich die Finanzmärkte in einem Umfeld, das wir als „neue Normalität“ bezeichnen. „Normal“ heißt, dass die Zinsen niedrig bleiben, die Anleiherenditen nach unten tendieren und die Aktienmärkte steigen – alles bei einem schwachen, aber stabilen Wirtschaftswachstum im Verein mit niedrigen Inflationsraten. Unter diesen beinahe idealen wirtschaftlichen Bedingungen (das Wachstum ist nicht zu stark, sodass weder eine steigende Inflation noch eine restriktive Geldpolitik zu befürchten ist, und nicht zu schwach, sodass kein Konjunkturabschwung droht) sind die Börsen nach fast jeder Korrektur immer wieder auf neue Höchststände geklettert. Das war insbesondere nach der Verkaufswelle im Schlussquartal 2018 der Fall, auf die im ersten Halbjahr 2019 eine kräftige Erholung folgte.

Zugleich ist der laufende Konjunkturzyklus schon weit fortgeschritten – stehen wir also kurz vor einer neuen Rezession?

Nicht unbedingt. Einige Marktbeobachter deuten zwar die inverse Zinsstruktur bei US-Staatsanleihen als Vorbote einer baldigen Rezession, doch aus unserer Sicht ist eine solche Entwicklung vorerst unwahrscheinlich. Dafür sehen wir mehrere Gründe.

Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in den nächsten 12 Monaten
Basierend auf dem US-Treasury-Spread (nach Zahlen der regionalen Notenbank von New York)
Januar 1960 bis Juni 2019


Quellen: Haver Analytics/[JP Morgan/IHS Market, Business Roundtable, Federal Reserve Bank of New York]

 

Zunächst einmal: Der laufende Konjunkturzyklus ist zwar der längste in der Geschichte, die Dauer allein ist jedoch kein hinreichender Grund für ein baldiges Ende. Wie man beobachten konnte, werden die Zyklen immer länger; die letzten vier dauerten im Schnitt jeweils etwa acht Jahre. Darin könnte sich ein struktureller Wandel ausdrücken, der im Endeffekt dazu führt, dass ein Konjunkturzyklus nicht enden muss, nur weil er schon lange andauert.

Die meisten Konjunkturmodelle zeigen überdies noch immer an, dass wir uns in der Zyklusmitte befinden und eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten eher unwahrscheinlich ist. Tatsächlich nimmt sich der aktuelle Konjunkturzyklus im Vergleich zu langen Zyklen der Vergangenheit eher bescheiden aus. Das US-Wirtschaftswachstum, das im aktuellen Zyklus bisher bei rund 25% steht, wird von früheren Aufschwungsphasen deutlich in den Schatten gestellt. Während des Booms der 1990er Jahre wuchs die amerikanische Wirtschaft beispielsweise um 43%. Der S&P 500 Index ist im laufenden Konjunkturzyklus um rund 300% gestiegen. Das ist sicher beachtlich – doch in den 1990er Jahren legten US-Aktien um mehr als 390% zu.*


Ein Grund, warum der aktuelle Zyklus bereits so lange andauert, liegt in der Geldpolitik. Niedrige Zinsen und Anleihekäufe über mehrere Jahre hinweg, bekannt als „Quantitative Easing“ (quantitative Lockerung), haben Liquidität in die Wirtschaft gepumpt und den Finanzmärkten Impulse gegeben. Der Beginn des aktuellen Konjunkturzyklus fällt zudem mit dem wirtschaftlichen Einbruch nach der globalen Finanzkrise von 2008 und der europäischen Staatsschuldenkrise von 2011 zusammen. Dass die Wirtschaft lange gebraucht hat, um sich davon zu erholen, überrascht insofern nicht.

Die Geschichte lehrt zwar, dass Rezessionen nicht vollkommen vermieden werden können, doch die Notenbanken tun ihr Bestes, um sie abzuwenden oder wenigstens die Folgen abzumildern. Die US-Notenbank (Fed), die Ende 2018 noch über Zinserhöhungen gesprochen hatte, denkt nun über mögliche Zinssenkungen nach, um die Abschwächung des Wachstums zu bremsen und die Konjunktur zu stimulieren.

Ein erneutes Nachgeben der Renditen von Staatsanleihen angesichts weiterer Zinssenkungen und niedriger Inflationsraten stellt die Anleger allerdings vor Probleme. Staatsanleihen gelten in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gemeinhin als „sicherer Hafen“. Aufgrund der extrem niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsen stellt sich indes die Frage, ob sich das Aktienrisiko mit ihnen noch wirksam diversifizieren lässt.


Wie wir positioniert sind

Anleger stehen im derzeitigen Umfeld vor erheblichen Problemen. Der laufende Konjunkturzyklus ist zwar nicht der kraftvollste in der Geschichte, aber mit Sicherheit der längste. Unsere Konjunkturmodelle warnen uns zwar nicht vor einer unmittelbar bevorstehenden Rezession, doch andererseits signalisieren die wichtigsten Notenbanken eindeutig die Entschlossenheit, die nächste Rezession abzuwenden oder wenigstens abzumildern. Zugleich senden die Börsen uneinheitliche Signale: pessimistische bei Staatsanleihen, optimistische bei Aktien.

Im derzeitigen Klima sehen wir für Aktien noch Luft nach oben, die Risiken nehmen jedoch zu. Wir sind deshalb in Aktien leicht untergewichtet, wobei wir Wachstumswerte gegenüber Value-Titeln bevorzugen. Für interessant halten wir auch die Schwellenländer. Im Anleihebereich sind wir in Staatspapieren wegen der niedrigen Renditen untergewichtet, sehen stattdessen jedoch gute Gründe für ein Engagement in risikoträchtigeren Segmenten des Anleihemarkts. Attraktive Möglichkeiten bieten sich unseres Erachtens bei Schwellenländer- und Hochzinsanleihen – auf der Suche nach vernünftigen Renditen könnten viele Anleger in diese Bereiche gehen. Wichtig erscheint uns in der ungewissen derzeitigen Lage eine gute Diversifikation, bei der risikoreiche Anlagen ebenso berücksichtigt werden wie konservative. Gefragt sind auch ein aktiver Ansatz und die Bereitschaft, das Portfolio zu repositionieren, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern sollte.


* Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.
Quellen: Analysen von T. Rowe Price auf der Basis von Daten von FactSet Research Systems Inc. Alle Rechte vorbehalten, S&P. Siehe Abschnitt „Zusätzliche Informationen“ im Anhang.

 

Hauptrisiken – Die folgenden Risiken sind für die hierin dargestellten Informationen von wesentlicher Bedeutung.
Auch wenn das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen verteilt wird, um die Risiken zu diversifizieren, ist ein Teil davon bestimmten Hauptrisiken ausgesetzt.
Aktienrisiko – Aktien bergen allgemein größere Risiken als Anleihen oder Geldmarktinstrumente.
Kreditrisiko – Anleihen oder Geldmarktpapiere können an Wert verlieren, wenn sich die finanzielle Lage des Emittenten verschlechtert.
Währungsrisiko – Wechselkursänderungen können Anlagegewinne schmälern beziehungsweise Verluste erhöhen.
Ausfallrisiko – Emittenten von Anleihen können in die Lage geraten, keine Zahlungen mehr für ihre Papiere leisten zu können.
Schwellenmarktrisiko – die Börsen der Schwellenländer sind weniger gefestigt als die der Industrieländer und bergen somit höhere Risiken.
Risiko von Anlagen im Ausland – Anlagen in anderen Ländern als dem Heimatland des Anlegers können auf Grund von negativen Währungseffekten, Unterschieden bei Marktstruktur und Liquidität sowie bestimmten länderspezifischen, regionalen oder wirtschaftlichen Entwicklungen mit höheren Risiken behaftet sein.
Zinsrisiko – wenn die Zinsen steigen, verlieren Anleihen in der Regel an Wert. Dieses Risiko ist im Allgemeinen umso größer, je länger die Laufzeit einer Anleihe und je höher ihre Kreditqualität.
Immobilienanlagerisiko – Immobilien- und damit verwandte Anlagen können von allen Faktoren negativ betroffen sein, die eine Wertminderung einer bestimmten Lage oder eines einzelnen Objekts bewirken.
Small- und Mid-Cap-Risiko – Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen können stärkeren Kursschwankungen unterliegen als Aktien größerer Unternehmen.
Anlagestil-Risiko – die verschiedenen Anlagestile sind je nach Marktbedingungen und Anlegerstimmung unterschiedlich beliebt.


 

Wichtige Informationen


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