Das Ende der quantitativen Straffung?

Arif Husain , Portfolio Manager
Andrew Keirle , Portfolio Manager
Quentin Fitzsimmons , Portfolio Manager

Zusammenfassung

  • Das Ende der Phase einer strafferen Geldpolitik könnte für die Finanzmärkte einen Umbruch darstellen.
  • Durch die Zölle verstärken sich die Sorgen um das Wachstum, und die großen internationalen Notenbanken könnten sich noch deutlicher zu einer wieder expansiveren Geldpolitik veranlasst sehen.
  • Für Anleger könnte Duration als geeignetes Mittel zur Diversifikation des Aktienrisikos erneut an Bedeutung gewinnen.

Werden die Notenbanken das Ende der quantitativen Straffung verkünden? In einer Zeit, in der das globale Wachstum ohnehin unter scharfer Beobachtung steht, wächst nun wieder die Gefahr von Handelszöllen. Bei einer Fortdauer dieser Gefahr könnten sich die Notenbanken veranlasst sehen, in diesem Jahr noch defensiver zu agieren. Auf unseren letzten Sitzungen zur Anlagepolitik erörterte das Investment-Team diese Entwicklungen und ihre Konsequenzen.
 

Einige Zentralbanken, darunter auch die amerikanische Federal Reserve (Fed), haben geplante Zinserhöhungen 2019 vorerst ausgesetzt. Andere, wie die malaysische und die neuseeländische Zentralbank, haben sogar neue stimulative Maßnahmen beschlossen, darunter Leitzinssenkungen. „Schon bevor die Handelsgespräche zu scheitern begannen, zeichnete sich ein Ende der quantitativen Straffung ab“, erklärt Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income. „Der Streit um Zölle erzeugt jedoch Unsicherheit, und vor diesem Hintergrund dürften die expansiven geldpolitischen Impulse der großen internationalen Notenbanken noch deutlicher ausfallen.“


Angesichts der fragilen wirtschaftlichen Lage könnten Zölle die wirtschaftliche Dynamik weiter schwächen, da sie tendenziell eine ähnliche Wirkung haben wie eine restriktive Geldpolitik. Um diesen potenziellen negativen Effekten etwas entgegenzusetzen, würden sich die meisten Notenbanken von Industrieländern genötigt sehen, die Zügel eher zu lockern als zu straffen. „Die aktuellen Spannungen im Handelsstreit bestärken uns in der Einschätzung, dass die Geldpolitik in den Industrieländern womöglich expansiver werden muss“, so Husain weiter.
 

Ein Ende der quantitativen Straffung würde für die Finanzmärkte einen Umbruch darstellen. Bei Anleihen könnte dadurch die Wahrscheinlichkeit deutlich steigen, dass Kernstaatsanleihen positive Renditen liefern und einmal mehr die Funktion von „sicheren Häfen“ übernehmen. „Durch die Zinserhöhungspause der Fed sind die Renditen von US-Treasuries auf neue Tiefstände gesunken, sodass nun in turbulenten Börsenphasen mehr Spielraum für einen Anstieg besteht“, fährt Husain fort.



Abbildung 1: Notenbanken sind nicht mehr auf Straffungskurs
Stand: 14. Mai 2019


Quelle: BIS Central Bank Policy Rates.
Analysen von T. Rowe Price.

Schon bevor die Handelsgespräche zu scheitern begannen, zeichnete sich ein Ende der quantitativen Straffung ab.
- Arif Husain, Head of International Fixed Income

Für den Portfolioaufbau bedeutet dies, dass Duration-Positionen für Anleger erneut eine gute Möglichkeit darstellen könnten, ihre Asset-Allokation zu diversifizieren. „Wir befinden uns wieder in einem Umfeld, in dem Duration eine nützliche Rolle spielen kann, um das Aktienrisiko zu diversifizieren“, sagt Husain. „Beim Portfolioaufbau ist das wichtig, denn es bedeutet ja, dass eine defensive Positionierung an den Kreditmärkten nicht so entscheidend ist, um in unseren Anleihestrategien eine Diversifikation gegenüber Aktien zu erreichen.“
 

Nach Auffassung des Teams könnte im aktuellen Umfeld eine attraktive Möglichkeit darin bestehen, das Durationsrisiko in Ländern zu erhöhen, die zu Jahresbeginn noch Kandidaten für Zinserhöhungen waren. Schweden und Südkorea sind in dieser Hinsicht besonders zu erwähnen: In beiden Ländern haben die Notenbanken ihren Kurs mittlerweile kurz entschlossen geändert. Beachtet werden sollten auch Notenbanken, die ihre Zinsen stabil halten wollten, nun aber voraussichtlich eine Senkung vornehmen werden. Australien ist dafür ein gutes Beispiel, obgleich fraglich ist, ob eine Zinssenkung der lokalen Wirtschaft etwas nützen würde, solange ein Konjunkturaufschwung in China, dem wichtigsten Handelspartner des Landes, ausbleibt.

Wir befinden uns wieder in einem Umfeld, in dem Duration hilfreich sein kann, um das Aktienrisiko zu diversifizieren.
- Arif Husain, Head of International Fixed Income

Allerdings werden nicht alle Notenbanken ihre Pläne für eine straffere Geldpolitik aufgeben, und eine sehr selektive Länderauswahl wird auch weiterhin ein zentraler Aspekt des Durationsmanagements sein. „In Staaten wie Norwegen und Großbritannien sind künftige Zinserhöhungen aufgrund des lokalen Inflationsdrucks eher zu erwarten“, bemerkt Husain.
 

Der Eindruck, dass die Phase der quantitativen Straffung zu Ende gehen könnte, wird möglicherweise auch an den Devisenmärkten eine spürbare Wirkung haben. Zu beachten ist allerdings, dass der US-Dollar in diesem Jahr bislang eine gute Unterstützung genießt, trotz der Zinserhöhungspause der Fed. „Wider Erwarten hat die Entscheidung der Fed nicht zu einem deutlichen Anstieg anderer Währungen gegenüber dem Dollar geführt.“

 

In den USA hat das Wachstum zwar an Schwung verloren, es ist jedoch immer noch kräftiger als in den meisten anderen Industriestaaten. Für den Dollar war das bislang ein positiver Faktor. „Das Paradoxe ist, dass die Zinserhöhungspause der Fed amerikanische Anleihen attraktiver gemacht hat“, sagt Husain und fügt hinzu, die Absicherung von US-Vermögenswerten gegen Währungsrisiken sei nun nicht mehr ganz so teuer, da die Märkte Zinserhöhungen aus den Kursen herausgepreist hätten.


201905-849796

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(Annualisiert)
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Durchschnittlicher Kupon
4,11%
FACTSHEET
Fondsvolumen
(USD)
$863,7Mio.
Durchschnittliche Laufzeit
7,15 J.
Durchschnittliche Duration
-0,62J.