INVESTMENT VIEWPOINT

Südafrika: Binnenkonjunkturorientierte Unternehmen vor Wendepunkt

Oliver Bell , Portfolio Manager

Wichtigste Punkte

  • Strukturelle Probleme haben die Wachstumsaussichten beeinträchtigt, die belastenden Effekte könnten aber abklingen.

  • Fortschritte bei den Wirtschafts- und Sozialreformen werden nach der Präsidentschaftswahl im Mai wichtig sein.

  • Unsere jüngste Research-Reise bekräftigte unseren Glauben an Unternehmen, die auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet sind.

 

Auf den ersten Blick wäre es ein Leichtes für Anleger, ein düsteres Bild von den Aussichten südafrikanischer Unternehmen zu zeichnen. Das Wachstum befindet sich seit 2009 in einer Abwärtsspirale und diverse strukturelle Probleme scheinen Zweifel an den mittelfristigen Aussichten aufkommen zu lassen. Dazu zählen etwa die Erosion der Produktionsbasis, die Korruption in Staatsbetrieben (SOEs), die Verschlechterung der Bildungsstandards und die große wirtschaftliche Ungleichheit.
 

Die politische, strukturelle und makroökonomische Dynamik, die Südafrikas Wirtschaft antreibt, ist jedoch hoch komplex und befindet sich im Wandel. Wirft man einen genaueren Blick hinter die Schlagzeilen, sind hier und da Möglichkeiten zu erkennen. Da bereits ein großer Teil der negativen Stimmung am Markt eingepreist ist, ist das Potenzial für einen Anstieg tatsächlich größer, als es seit geraumer Zeit war. 
 

Diese Einschätzung hat sich bei unserer jüngsten Research-Reise bestätigt, in deren Verlauf wir auch einige Unternehmen besucht haben. Die Messlatte für positive Überraschungen scheint tief zu liegen.

Magere Wachstumsaussichten

Das jährliche reale Wachstum des südafrikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt durchschnittlich bei gerade einmal 1,5%, gegenüber dem weltweiten Durchschnitt von 3,4%. Der Aktienmarkt ist hinter dem in anderen Schwellenländern zurückgeblieben. Zugleich sorgen die Corporate-Governance-Standards, Führungen und Institutionen seit Jahrzehnten ständig für Enttäuschung. Bei der Überprüfung im März beließ Moody‘s das Kreditrating Südafrikas bei Investment Grade und gab einen stabilen Ausblick, was der Stimmung zugutekam. Das Risiko einer Herabstufung besteht mittelfristig weiterhin.


Entwicklung des südafrikanischen Aktienmarkts

MSCI-Länderindizes: relative Performance im Vergleich zu den Schwellenländern

Stand: 31. März 2019

 

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Quelle: MSCI. MSCI und deren verbundene Unternehmen sowie externe Quellen und Anbieter (gemeinsam „MSCI“) übernehmen keine ausdrücklichen oder impliziten Garantien oder Zusicherungen und haften in keiner Weise für in diesem Dokument enthaltene Daten von MSCI. Die Daten von MSCI dürfen nicht weitergegeben oder als Grundlage für andere Indizes oder Wertpapiere bzw. Finanzprodukte verwendet werden. Dieser Bericht wurde nicht von MSCI genehmigt, überprüft oder erstellt. Historische Daten und Analysen von MSCI sind nicht als Indikator oder Garantie für Analysen, Prognosen oder Vorhersagen der zukünftigen Wertentwicklung anzusehen. Die Daten von MSCI sind nicht als Anlageberatung oder Empfehlung zu verstehen, eine Anlageentscheidung zu treffen (oder zu unterlassen), und darf nicht als Grundlage dafür herangezogen werden.


Reformen und starke Institutionen werden entscheidend sein, um das Wachstum in den nächsten Quartalen zu unterstützen. Im Kampf gegen die Korruption, der auch Änderungen in den Führungsetagen wichtiger Institutionen sowie Maßnahmen gegen die Verschwendung staatlicher Gelder mit sich brachte, wurden beachtliche Fortschritte erzielt. Die Wirtschaftsreformen reichen von der Schaffung von politischer Sicherheit für Bergbaugesellschaften und der Stärkung des Wettbewerbs im Sektor Hafenterminals bis zur Überprüfung der Struktur der Stromnetze des Landes und der Erweiterung der Finanzierungsoptionen für Kleinunternehmen.
 

Die Stimmung gegenüber Südafrika orientiert sich zwar sehr stark an der Entwicklung an den globalen Märkten und in den Schwellenländern, doch in dem Land selbst besteht genügend „Selbsthilfepotenzial“, um sich gegen die schlimmsten Entwicklungen zu schützen. Dank echter Fortschritte im Kampf gegen die Korruption auf Ebene des Staates und der SOEs kann neues Führungspersonal erstmals seit Jahren potenziell Verbesserungen bewirken, wenngleich von einer tiefen Basis aus.


Auf die Binnenwirtschaft ausgerichtete Unternehmen im Fokus

Besonders erfreulich finden wir das Potenzial einiger auf die Binnenwirtschaft ausgerichteter Unternehmen. Unsere Reise bestärkte uns in unserer Anlageeinschätzung, vor allem zu Unternehmen, die von verschiedenen Faktoren Unterstützung erhalten, darunter eine gute zugrunde liegende Liquidität, eine anspruchsvolle, heterogene lokale Anlegerbasis sowie eine geringe Zahl von beherrschenden Aktionären.
 

Ein Trend, der sich als positiv für unsere Positionen entpuppt hat, ist die Entwicklung hin zur Formalisierung von Pharmaeinzelhändlern. Die Marktdurchdringung bleibt mit rund 45% recht gering, aber die beherrschenden Akteure gewinnen in einer Branche, in der hohe Eintrittshürden bestehen, Marktanteile hinzu. Zwei davon, Clicks und Dis-Chem, sind aufgrund ihrer Größe glaubwürdige Kandidaten für eine Steigerung der Marktanteile in diesem defensiven Sektor, könnten aber zudem auch vom Segment für Nichtbasiskonsumgüter wie Kosmetik profitieren, das für andersartige Umsatzströme sorgt. Wir trafen uns mit dem neuen CEO von Clicks, der den Fokus auf mehr Bequemlichkeit für Kunden, eine stärkere Differenzierung und Individualisierung legt. Da sich die Generierung freier Cashflows und die Erträge in den nächsten Jahren bessern dürften und die Investitionsausgaben sich normalisieren, halten wir an der Position fest und sind von der Aktie weiterhin überzeugt.
 

Eine weitere bevorzugte Position ist der Lebensmitteleinzelhändler Shoprite. Belastende Faktoren wie Streiks, die aufwändige Implementierung von SAP-Software, die Abwertung in Angola und negative Wechselkurseffekte klingen nun ab, sodass Shoprite unseres Erachtens gut aufgestellt ist, um Marktanteile zurückzugewinnen. Das Unternehmen ist gut geführt und sollte von jeder Belebung der Konjunktur und einem steigenden Verbrauchervertrauen profitieren. Bei unserem Treffen mit der Unternehmensführung gelangten wir zu der Überzeugung, dass die Fundamentaldaten des Unternehmens intakt sind und die Gewinne sich, wenngleich langsam, erholen sollten.


Glaube an den Bankensektor

Von südafrikanischen Banken sind wir nach wie vor sehr überzeugt. Dank der starken und angesehenen Zentralbank und des Finanzministeriums, für das das gleiche gilt, sind sie in einen soliden institutionellen Rahmen eingebettet. Wir trafen uns mit Vertretern von Nedbank, Südafrikas viertgrößter Bank, die ein relativ kräftiges Wachstum der Gewinne je Aktie erzielt und dabei von moderat steigenden Nettozinsmargen und einem verbesserten Asset-Mix profitiert. Die Bank hat zudem ein mittelfristiges Programm zur Steigerung der Kosteneffizienz umgesetzt, das in den nächsten Quartalen Früchte tragen dürfte. Nedbank scheint eine klare Strategie und eine gute Marktstellung zu haben, und auch die Umsetzung ist gut.
 

Wir trafen uns darüber hinaus mit dem Management von ABSA (vormals Barclays Africa Group), der größten Privatkundenbank des Landes. Es wird erwartet, dass ein neuer CEO im Amt sein wird, wenn die Ergebnisse für das 1. Halbjahr veröffentlicht werden. Die Prognosen gehen von einer höheren Eigenkapitalrendite in diesem Jahr sowie für 2020 von einem Wachstum im Bereich von 18% bis 20% aus. Diese Faktoren dürften Aktienkursgewinne unterstützen.


Entwicklungen, die zu einem Wendepunkt führen könnten 

Wir haben drei wesentliche Renditetreiber für die nächste Zeit identifiziert:
 

  • Die Parlamentswahlen im Mai, bei denen ein Wahlsieg des regierenden African National Congress (ANC) unter der Führung von Cyril Ramaphosa erwartet wird und die den laufenden Reformen zusätzliche Impulse geben könnte. Ein klares, überzeugendes Mandat für Ramaphosa würde für Kontinuität in der Reformpolitik sorgen, das Geschäfts- und Konsumklima stützen und ausländische Direktinvestitionen ins Land ziehen.

  • Der Umgang der Regierung mit ungelösten Problemen beim staatlichen Stromversorger Eskom wird aufgrund der Größe des Unternehmens und seiner Bedeutung für die Wirtschaft Einfluss auf die Wachstumsaussichten haben. Das Unternehmen ist weiterhin hochverschuldet und die überlasteten Netze haben in den letzten Monaten immer wieder Stromausfälle verursacht. Wie die Regierung diese Probleme anpackt, wird sich maßgeblich auf die Stimmung in der Wirtschaft insgesamt auswirken.

  • Die Zentralbank hat Spielraum für Zinssenkungen in den nächsten zwölf Monaten, da die Inflation niedriger ist als erwartet. Dies könnte dem Wachstum einen gewissen Schub geben, zumal wir erwarten, dass sich das Geschäfts- und das Konsumklima bessern werden.


Klares Mandat für Reformen

Die strukturellen Probleme in Südafrikas Wirtschaft werden zwar noch geraume Zeit bestehen bleiben, doch es gibt Anzeichen für Fortschritte. Sehr viel hängt davon ab, ob Präsident Ramaphosa bei der nächsten Wahl ein überzeugendes Mandat erhalten wird und inwieweit Kontinuität auf politischer Ebene sichergestellt werden kann. Sollte es der Führung des Landes gelingen, die geplanten Reformen umzusetzen, dann könnte nun ein günstiger Zeitpunkt sein, um in einige der auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Unternehmen zu investieren, die von einem verbesserten konjunkturellen Umfeld profitieren würden.


Darauf achten wir in nächster Zeit

Eine Vielzahl von zyklischen und strukturellen Negativfaktoren könnten die Wachstumsaussichten der südafrikanischen Unternehmen trüben. Doch wenn sich diese Negativfaktoren abschwächen, dürften sich vereinzelte Möglichkeiten ergeben, die kluge aktive Anleger nutzen können. Mit den Unternehmen, die großes Wachstumspotenzial bieten, werden wir weiter einen intensiven Dialog pflegen und bleiben so positioniert, dass wir von jeder Verbesserung der Bedingungen vor Ort profitieren.


Wichtigste Risiken
– Folgende Risiken sind für das Portfolio von wesentlicher Bedeutung. Transaktionen mit Wertpapieren, die auf

Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können.

Die Erträge können aufgrund von Veränderungen der marktbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stärker schwanken als an anderen,

besser entwickelten Märkten. Die Anlagen sind weniger liquide als Anlagen, die an etablierteren Märkten gehandelt werden.

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Wichtige Informationen

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